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"Eine Anhebung der Zölle könnte direkte Auswirkungen haben.“

3. Mai 2018

Experten gehen davon aus, dass die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) im Zuge des Konjunkturaufschwungs bald enden wird. Die große Frage ist nur wann. Während die einen bis zum Jahresende mit einer Leitzinserhöhung rechnen, glauben die anderen daran, dass dies frühestens Mitte kommenden Jahres geschieht. EZB-Chef Mario Draghi äußerte sich auf der jüngsten Zinssitzung der EZB in Frankfurt im Hinblick auf den Handelsstreit mit den USA:

„Wenn wir eine Anhebung der Zölle haben, eine Zunahme des Protektionismus, könnte es direkte Auswirkungen geben.”

Draghi sagte dies in Bezug auf die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Europäische Union (EU). Mit anderen Worten: Das Ende der lockeren Geldpolitik dürfte so schnell noch nicht in Sicht sein. Eine Eskalation des Handelskonflikts könnte die von Marktteilnehmern erwartete Zinserhöhung erst einmal auf unbestimmte Zeit auf Eis legen. Die EZB scheint zunächst abwarten zu wollen, welches Ausmaß die Strafzoll-Politik der Vereinigten Staaten in den kommenden Wochen und Monaten annehmen wird.


Marktbeobachter glauben, dass die von Donald Trump initiierten protektionistischen Strömungen Spuren in den Köpfen der europäischen Notenbanker hinterlassen. Der US-Präsident hat mit neuen Zöllen auf Stahl- und Aluminium-Importe einen Handelsstreit entfacht. Vor allem China ist davon betroffen, aber auch Deutschland. Sollten sich nun auch noch die Konjunkturaussichten der Eurozone eintrüben, hat die EZB ein Problem: Da der Leitzins bereits bei null Prozent seinen Tiefpunkt erreicht hat, bleibt kein Spielraum mehr, die Wirtschaft durch eine Zinssenkung anzukurbeln. Experten monieren, die EZB habe bereits den optimalen Zeitpunkt für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik verpasst. Die Stimmungsindikatoren für den Euro-Raum – wie etwa der Einkaufsmanager-Index – waren zuletzt nicht mehr so positiv wie noch zum Jahreswechsel. Zudem lag die Inflation mit 1,3 Prozent im März deutlich von der EZB-Zielmarke entfernt. Die Zielmarke der EZB liegt bei zwei Prozent, dies gilt auch als Idealwert für die Wirtschaft.

Quintessenz: Die Nullzinsen bleiben dem Euroraum wohl noch einige Zeit erhalten. Draghi selbst sagte bei der EZB-Sitzung, dass ein „großes Ausmaß an geldpolitischem Stimulus immer noch erforderlich” sei.

Festverzinsliche Wertpapiere aus dem Euroraum dürften auch in nächster Zeit nur begrenzte Renditemöglichkeiten bieten. Anleger sollten deshalb Aktienmärkte als Ertragsquelle weiterhin im Blick behalten. In dieser Situation ist die Einschätzung eines erfahrenen Portfoliomanagers Gold wert.

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