Das große Ganze

Genuss als Geldanlage

Mit Wein finanziell liquide werden? Wein ist nicht nur ein Genussmittel, sondern auch eine potenzielle Geldanlage.

5. Juni 2018

Hätten Sie es gewusst? Weltweit werden jedes Jahr rund 240 Millionen Hektoliter Wein verbraucht. Allein jeder Deutsche konsumiert ungefähr 20 Liter Wein im Jahr, und das konstant seit zehn Jahren. Doch die Weine der Welt werden nicht nur genossen – sondern auch gesammelt: von klugen Anlegern, die den steigenden Wert bestimmter Flaschen als alternative Investmentanlage nutzen wollen. Einzelne Spitzenweine können sogar die Wertentwicklung mancher erfolgreicher Unternehmen übertreffen. Die besten von ihnen, wie zum Beispiel Weine aus Bordeaux und Burgund, werden schon seit längerem als eine Art Blue Chips im Weinbereich gehandelt, die ihrem Besitzer stattliche Renditen bringen können – wenn diese etwas von dem Geschäft verstehen. 

In Wein zu investieren ist jedoch lange nicht so einfach, wie ihn zu trinken. Denn es ist ein tiefer gehendes Detailwissen gefordert – nicht nur über den Jahrgang oder den Produzenten des Weins, sondern auch über die Distribution und die Frage, wie eine seltene Flasche gelagert worden sein könnte. Dass dieses Investment nicht unbedingt etwas für Laien ist, spiegelt sich auch in den Einstiegspreisen wider: diese unterscheiden sich mit oft mehreren Tausend Euro deutlich von den gewohnten Ladenpreisen im Supermarkt um die Ecke.

Bordeaux ist Business
Als Klassiker unter den Wein-Kapitalanlagen gilt der Bordeaux. Denn die Nachfrage nach dem Premier Cru dieser Sorte ist weltweit groß: Die Preise von Pétrus, Château Lafite-Rothschild und anderen erstklassifizierten begehrten Gewächsen können oft schon im ersten Jahr nach Freigabe um bis zu 100 Prozent steigen. Wer vor zehn Jahren zum Beispiel eine Kiste mit zwölf Flaschen Château Lafite-Rothschild für rund 2.600 Pfund kaufte, konnte sie zehn Jahre später für rund 25.000 Pfund verkaufen. Die besten der zweitklassifizierten Weine, etwa Château Léoville-Las-Cases und Château Pichon Longueville de Lalande, erleben nicht selten Wertsteigerungen von 50 Prozent. 

Neben den berühmten Bordeaux besitzen aber auch Spitzenweine anderer Regionen Potenzial – wenn sie die drei wichtigsten Kriterien erfüllen: Sie müssen ein hohes Prestige genießen, rar und langlebig sein. Nur auf einen kleinen Teil der Weine treffen all diese Kriterien zu. Bei Weinen aus Deutschland sind diejenigen mit Tradition und internationaler Reputation am gefragtesten, zum Beispiel von Egon Müller. Sein Riesling Scharzhofberger Trockenbeerenauslese aus dem Jahr 2003 erzielte den Rekordpreis von 12.000 Euro.

Premier Cru ist kein Freifahrtschein
Dennoch stellt allein der Erwerb von diesen Spitzenweinen keinen Freifahrtschein für eine hohe Wertsteigerung dar. Denn die Wertentwicklung des Jahrgangs wird maßgeblich durch sein Renommee bestimmt. Es gibt Jahrgänge, wie beispielsweise 1986er oder 1990er, bei denen Weininvestoren auf ihre Kosten kamen, da der Eröffnungspreis niedrig und die Wertsteigerung bei nahe zu 100 Prozent innerhalb eines Jahres lag. Doch es kann auch anders kommen: So verharren die Jahrgänge 1995 und 1996 – auch die der berühmten Châteaux – noch immer auf ihrem hohen Ausgangsniveau. 

Preisentwicklung
Zu welchem Preis ein Wein „rauskommt“, hängt von der Beurteilung von Händlern und Kritikern ab. Der Amerikaner Robert Parker ist der wohl bekannteste und einflussreichste dieser Weinkritiker. Ein Wein, den er mit 99 oder gar 100 Punkten bewertet, verdoppelt binnen Tagesfrist seinen Preis. Eine Bewertung von unter 85 Punkten entspricht praktisch einem Verriss – zumindest bei den klassifizierten Bordeaux. 

Einen ersten Überblick zur Preisentwicklung bieten zum Beispiel die Liv-Ex Fine Wine Investables Indizes der London International Vintners Exchange. Die Indizes bilden monatlich die Preisentwicklung der Weine mit der höchsten Nachfrage ab.


Expertise, Geduld und Zeit
Wie bei jeder Investition sind auch bei der Anlage in Wein einige Punkte zu beachten: Investoren sollten den Wein nur über spezialisierte Luxusweinhändler oder anerkannte Auktionshäuser beziehen, um nicht in die Falle von Fälschern zu tappen. Wer in Wein investiert, sollte zudem Geduld und Zeit mitbringen: Die Mindestlagerdauer bei Kultweinen liegt bei fünf bis zehn Jahren. Denn mit jeder getrunkenen Flasche wird das Angebot kleiner und der Wein seltener. Wenn im Idealfall die Nachfrage nach solchen Weinen steigt, dann wahrscheinlich auch ihr Preis.

Auch Prospery nimmt das Thema Wein als Geldanlage unter die Lupe. Das Prospery Finance Forum am 21. Juni in Frankfurt steht unter dem Motto „In vino veritas: Wein als Investment“. Unter anderem wird Jochen Scheffler als Moderator des Forums mit Natascha Popp, Geschäftsführende Gesellschafterin und Beraterin von "die weinräte" zum Thema Investitionen in Weingüter und mit Alexander Langhorst, Geschäftsführer und Investmentanalyst bei GSC Research, über das Thema diskutieren. Darüber hinaus erhalten Anleger Tipps für ihr Wein-Investment und einen Einblick in die akutell angesagtesten Weine. 

Vermögensmanagement und Investments mit Prospery