Investment Strategie

Die Investment-Strategie im Juni 

Der Rückenwind lässt nach, doch die Richtung bleibt. DAS MONATLICHE STRATEGIE-PAPER DES GLOBAL INVESTMENT COMMITTEES DER ABN AMRO

20. Juni 2018

Weiterhin robustes Wirtschaftswachstum und solide Fundamentaldaten im Unternehmenssektor sorgen für ein positives Anlageumfeld. Gleichzeitig zeigt sich der Markt zunehmend nervös, da viele offene Fragen in Bezug auf die politischen Verhältnisse in Italien, Zoll- und Handelskriege sowie die nächsten Zentralbankmaßnahmen herrschen. Das Global Investment Committe bleibt weiter überzeugt, dass risikoorientierte Anlagen wie Aktien höhere Portfoliorenditen versprechen. Bei der letzten Sitzung des Global Investment Committe wurden keine Änderungen an der Grundausrichtung der Asset-Allokation vorgenommen, die weiterhin Aktien gegenüber Anleihen favorisiert. 

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick weiterhin positiv 
Die Wachstumsrate der Weltwirtschaft liegt weiter über dem Trend und die Inflation bleibt auf niedrigem Niveau. Während sich die US-Wirtschaft besser als erwartet entwickelt, hat sich in der Eurozone einigermaßen überraschend eine Schwächephase eingestellt. Die möglichen Auslöser hierfür sind vielfältig, die Hauptursache sieht ABN AMRO Group Economics jedoch in einer Abkühlung des Handels mit China (der inzwischen wieder anzieht), in erster Linie arbeitsmarktbedingten Wirtschaftsengpässen in der Eurozone sowie einem drohenden Handelskrieg. Das Risiko eines Handelskriegs ist nur schwer einzuschätzen, aber wir sind der Auffassung, dass die derzeitige scharfe Rhetorik als aggressive Verhandlungstaktik zu bewerten ist. Wir erwarten keinen echten Handelskrieg. 

Trotz der zweifelsohne herrschenden Probleme und Risiken besteht das wahrscheinlichste Szenario weiterhin in einem über dem Trend verharrenden Weltwirtschaftswachstum bei leicht anziehender Inflation. Die US-Notenbank ist ihrer Politik einer schrittweisen und gut prognostizierbaren Anhebung der Leitzinsen zuletzt treu geblieben, während die EZB angedeutet hat, das derzeitige Zinsniveau mindestens bis September 2019 beizubehalten. An dem Niedrigzinsumfeld in Europa dürfte sich daher in absehbarer Zeit nichts ändern. 

Aktien erhalten den Vorzug vor Anleihen
 
Es spricht weiterhin vieles für Anlagen in Aktien. Diese Einschätzung basiert auf dem anhaltenden Wirtschaftswachstum, den robusten Unternehmensgewinnen und der moderat restriktiveren Geldpolitik der Zentralbanken. Nichtsdestotrotz sollte man nach einer derart langen extremen Niedrigzinsperiode unbedingt wachsam bleiben. Beispielsweise stieg die Marktvolatilität zu Jahresbeginn sprunghaft an, als sich die Überzeugung durchsetzte, die US Federal Reserve werde die Zinsen schneller als erwartet anheben. Diese Befürchtungen erwiesen sich im weiteren Verlauf als unbegründet. 

Unverändert schwierige Zeiten für Anleihen 
Grundsätzlich sind Anleihen nach wie vor kritisch zu betrachten, allerdings wird es allmählich Zeit, Stück für Stück wieder Positionen in Staatsanleihen aufzubauen und festverzinsliche Anlagen erneut als Diversifizierungsinstrument in einem Portfolio einzusetzen. Wer italienische Staatsanleihen besitzt, die zu Jahresbeginn empfohlen worden waren, sollte in Betracht ziehen, die derzeit in den Anleihemärkten der europäischen Peripherie herrschende höhere Volatilität auszusitzen. Die Kursvolatilität dürfte indes weiter andauern. Als unwahrscheinlich gilt, dass die Situation in Italien in ein neues Kapitel der Eurokrise mündet. 

Anfang des Jahres wurde den Anlegern nahegelegt, große Positionen in europäischen Unternehmensanleihen zu reduzieren. Ein Grund für den Kurswechsel besteht darin, dass die EZB ihre Absicht signalisiert hat, aus ihrem Anleihekaufprogramm auszusteigen, mit dem europäische Unternehmensanleihen in den letzten Jahren gestützt wurden. Zur breiteren Diversifizierung eines Anleiheportfolios könnten Anleger stattdessen auf Titel aus den USA und Schwellenländern zurückgreifen.   

Hedgefonds bleiben eine strategische Anlage 
Eine strategische (neutrale) Allokation in Hedgefonds stellt weiterhin eine zusätzliche Möglichkeit der Portfoliodiversifizierung dar. Man kann davon ausgehen, dass Hedgefonds-Strategien bei steigender Marktvolatilität allgemein gute Ergebnisse erzielen werden, da sich für Hedgefonds-Manager mehr Gelegenheiten bieten, kurzfristige Positionen einzugehen. 

Fazit 
Im bisherigen Jahresverlauf hat sich der Ausblick des Global Investment Committee nicht wesentlich verändert. Wir haben unseren Kunden zu Beginn des Jahres nahegelegt, die Chancen und Risiken, die sich aus dem dynamischeren Umfeld mit mehr Höhen und Tiefen als 2017 ergeben, im Blick zu behalten. Zu Beginn des Jahres wurde dies besonders deutlich. Zuletzt waren die Aktienmärkte in einer Seitwärtsbewegung gefangen, da angesichts der Gefahr eines Handelskriegs, politischer Risiken in Italien und anderer geografischer Spannungen die Marktturbulenzen zunahmen. 

Dennoch sind wir weiter der Auffassung, dass die Wirtschaft noch auf Kurs ist. Das solide Wirtschaftswachstum wird andauern, während die Fundamentaldaten der Unternehmen und der Wirtschaft weiter für Aktienanlagen sprechen. Wir bleiben bei dieser Einschätzung, behalten aber weiterhin die möglichen Probleme im Blick, die sich daraus ergeben können, dass das Umfeld unbeständiger wird und die Indikatoren für das künftige Wachstum etwas an Glanz verloren haben.

Frankfurt am Main, 20. Juni 2018

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