Investment Strategie im Mai

Das monatliche Strategie-Paper des Global Investment Committees der ABN AMRO

30. Mai 2018

Weiterhin auf Kurs 
Das weltweite Wirtschaftswachstum ist nach wie vor hoch, die Zentralbanken verfolgen eine expansive Geldpolitik und die Unternehmen weisen solide Fundamentaldaten auf. Trotz der positiven Rahmenbedingungen für das Anlageumfeld muss eingeräumt werden, dass die Lage weniger rosig aussieht als im vergangenen Jahr – allerdings handelt es sich hier wohl nur um eine graduelle Verschlechterung von „hervorragend“ auf „gut“. Die nachlassende Anlegerstimmung ist weitgehend auf eine Zunahme der Marktvolatilität, erhöhte geopolitische Spannungen und eine Schwächephase der europäischen Wirtschaft im Jahr 2018 zurückzuführen. In Bezug auf letztere ist jedoch nicht von einer weiteren Verschärfung der Lage auszugehen. 

Der globale Anlageausschuss des ABN AMRO Investment Komitees ist der Ansicht, dass das Umfeld risikoorientierte Anlagen weiterhin unterstützt. Aktien werden gegenüber Anleihen bevorzugt. An der Verteilung der Anlageklassen wurde auf der zurückliegenden Sitzung des Anlageausschusses nichts geändert. 

Fundamentaldaten sprechen weiter für Aktienmärkte 
Das Umfeld ist weiterhin günstig für die Aktienmärkte. Das weltweite Wirtschaftswachstum lässt dieses Jahr zweistelliges und nächstes Jahr annähernd zweistelliges Gewinnwachstum erwarten. Die Zinsen dürften niedrig bleiben, aber allmählich aufwärts tendieren, da die Inflationserwartungen leicht ansteigen. Selbst wenn der Konjunkturzyklus in eine spätzyklische Phase vorrückt, was nach einer so ausgedehnten Wachstumsperiode denkbar ist, können die Aktienerträge immer noch lohnend sein. 

Anleihemärkte weiterhin schwierig 
Generell bleiben die Anleihemärkte schwierig, was in einem Umfeld mit steigenden Zinsen die Regel ist. Die Renditen auf 10-jährige US-Staatsanleihen steigen in Richtung 3,1 % und halten damit die psychologisch wichtige Schwelle von 3 %, die zuletzt im Jahr 2014 erreicht wurde. Hiervon ausgehend scheint ein anhaltender, starker Anstieg der US-Renditen jedoch unwahrscheinlich. Die europäischen Kernrenditen ziehen ebenfalls – wenn auch in geringerem Umfang – an, wodurch sich der Spread zwischen US-Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen vergrößert. Steigende Renditen können Chancen für den erneuten Aufbau von Positionen in Staatsanleihen zu attraktiveren Zinsen bieten. Der richtige Zeitpunkt hierfür lässt jedoch für die Staatsanleihen europäischer Kernländer vielleicht noch einige Zeit auf sich warten, da die Europäische Zentralbank (EZB) es mit Zinserhöhungen nicht eilig hat. 

In den europäischen Peripherieländern herrschte Unruhe an den Anleihemärkten. Die Spreads italienischer Staatsanleihen vergrößerten sich als Reaktion auf Pläne der in Kürze antretenden Regierung für die Abschreibung von Schulden, den Start eines Euro-Referendums und die aggressive Erhöhung der Staatsausgaben. Die politische Lage in Italien ist nach wie vor im Fluss. 
Die Spreads auf Unternehmensanleihen halten ihre Bandbreite von 20 Bp. über den Anfang Februar erreichten Tiefständen. Angesichts der Tatsache, dass sich die EZB ihrem Ziel nähert, demnächst das Ende ihres Anleihekaufprogramms bekannt zu geben, könnte die Volatilität im Anleihesegment zunehmen. Wir bewerten das Umfeld als Chance eine höhere Diversifikation im Anleiheportfolio anzugehen. Dies könnte durch den Abbau von Unternehmensanleihen und die Aufstockung in anderen Anleihesegmenten erfolgen, deren Risikomerkmale abweichen, die aber gute Erträge versprechen. 

Die Risikoaufschläge auf Schwellenländeranleihen sind gestiegen, was auf eine Kombination aus einem stärkeren US-Dollar, geopolitischen Spannungen und länderspezifischen Entwicklungen wie Argentinien zurückzuführen ist. Dieser Anstieg ist unter Umständen noch nicht abgeschlossen, erscheint angesichts der weiterhin guten Fundamentaldaten aber eher als vorübergehende Kaufgelegenheit denn als strukturelle Entwicklung. 


Frankfurt am Main, 23. Mai 2018

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