wochenkommentar

Türkei - kein einfacher Weg

20. August 2018

Die Entwicklungen in der Türkei haben in der vergangenen Woche die Märkte erfasst. Die Renditen türkischer Staatsanleihen schnellten in die Höhe. Die türkische Lira erlebte einen rasanten Rückgang, bevor sie sich am Dienstag leicht erholte. Während die Investoren daran zweifeln, ob die Türkei ihre Auslandsschulden bedienen kann, steigt die Sorge vor der Ansteckung anderer Länder. Unserer Ansicht nach lässt sich die Krise in der Türkei nicht so schnell lösen, doch die Angst vor einer Ansteckung scheint überzogen.

Die Sorgen, dass die Türkei ihre Kredite nicht zurückzahlen kann, steigen inmitten der Spannungen zwischen den USA und der Türkei um einen amerikanischen Pastors, der 2016 von den türkischen Behörden unter Hausarrest gestellt wurde. Die Zweifel um die Schuldentilgung führen wiederum zu Befürchtungen der Investoren, dass die finanziellen Unsicherheiten in der Türkei auf andere Länder übergreifen könnten. Damit die Märkte wieder Vertrauen in die Finanzlage der Türkei bekommen, muss die türkische Regierung unseres Erachtens verschiedene Themen angehen. Zunächst sollten die Zinsen deutlich erhöht werden. Zum Zweiten sollte die Türkei wieder auf die USA zugehen. Drittens sollte die türkische Regierung bei ihren Haushaltsplänen zurückhaltender sein. Und schließlich sollte Präsident Erdogan die Bereitschaft zu Gesprächen mit dem IWF signalisieren. Es kann gut sein, dass die Türkei letztendlich keine IWF-Hilfen benötigen wird, aber es wäre für die Märkte beruhigend, wenn sich Erdogan dieser Idee öffnen würde.

Kein einfacher Ausweg

Präsident Erdogan hat jedoch bisher eine eher unnachgiebige Haltung eingenommen und die türkische Zentralbank sieht von einer weiteren Erhöhung der Zinsen ab. Angesichts der ablehnenden Haltung von Erdogan sieht es nicht nach einer schnellen Lösung aus. Doch die Türkei hängt stark von ausländischer Finanzierung ab. Im Vergleich zu anderen Schwellenländern stellt die Türkei eine Besonderheit dar. Normalerweise entstehen Finanzkrisen in Schwellenländern, weil die Regierungen zu sehr auf ausländische Mittel bauen. In der Türkei jedoch haben die Unternehmen erhebliche Kredite im Ausland aufgenommen. Das ergibt im Falle eines Bail-Out eine komplexere Situation.

Die Ansteckungsängste sind überzogen

Wir haben in der vergangenen Woche erlebt, wie die Furcht vor einem Übergreifen auf den Märkten aufflammte, weil sich die Investoren fragten, welche Parteien direkt in türkische Positionen investiert sind. Einige europäische Banken, insbesondere spanische, tragen türkische Kreditrisiken. Daher gerieten zuletzt die europäischen Bankaktien unter Druck und der Abstand zwischen den Renditen der spanischen und italienischen Staatsanleihen gegenüber den deutschen wurde größer. Mit Blick auf das große Ganze ist das Risiko für die europäischen Banken aufgrund der türkischen Schuldenlage jedoch begrenzt. Aus unserer Sicht sind die Ansteckungsängste überzogen, weil kein Finanzinstitut einzeln ein zu großes Risiko trägt.

Abwärtstrend bei Renditen auf deutsche Staatsanleihen gestoppt

Die Renditen auf deutsche Staatsanleihen bewegten sich vergangene Woche seitwärts und beendeten damit einen Rückgang, der gegen Monatsbeginn eingesetzt hatte und von politischen Sorgen in Italien und in der Türkei ausgelöst worden war. Diese Risikofaktoren beherrschen nach wie vor die Schlagzeilen, aber die Schwelle von 30 Basispunkten scheint ein starker Widerstand für eine weitere Rally von deutschen Staatsanleihen zu sein (die Anleihekurse entwickeln sich gegenläufig zu den Renditen). Die Renditen fielen am Mittwoch und am Freitag nur kurz unter dieses Niveau, konnten die Bewegung aber nicht verteidigen.

Es erscheint unwahrscheinlich, dass die Kurse deutscher Staatsanleihen auf kurze Sicht deutlich sinken. Angesichts der Unsicherheit im Hinblick auf Italiens Haushalt und die massiven Spannungen zwischen den USA und der Türkei betrachten die Investoren deutsche Staatsanleihen weiterhin als „sicheren Hafen“. Außerdem gibt es keine Daten, die auf signifikant höhere Zinsen oder Inflationswerte hindeuten: Die jüngsten Wirtschaftsdaten entsprachen den Erwartungen, und die Maßnahmen der Zentralbanken scheinen bereits eingepreist zu sein. In Anbetracht dieser Faktoren ist davon auszugehen, dass die Renditen auf deutsche Staatsanleihen in der vor uns liegenden Woche weiter seitwärts tendieren und in einer engen Handelsspanne bleiben.

Aktien der Schwellenmärkte unter Druck

Während sich die Börsen der USA in positivem Terrain halten konnten, kamen die Aktienmärkte weltweit in der vergangenen Woche unter Druck. Am Montag wirkten sich die Turbulenzen um die türkische Lira negativ auf die Aktienmärkte aus. Die Lira wertete allein an diesem Tag gegenüber dem US-Dollar rund 10 % ab, konnte sich im Wochenverlauf aber wieder etwas erholen. Die türkischen Politiker ergriffen Maßnahmen, um das Finanzsystem zu stützen und das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen. Die türkische Zentralbank kündigte an, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, und senkte die Mindestreserve für Geschäftsbanken. Am Mittwoch schränkte die Zentralbank Leerverkäufe auf die türkische Währung ein. Daraufhin erholte sich die türkische Lira wieder etwas. Doch die Spannungen zwischen den USA und der Türkei bleiben bedenklich, und die türkische Zentralbank entscheidet sich bewusst gegen Zinserhöhungen. .......