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Warum Frauen besser investieren als Männer

Frauen sind in der Finanzwelt unterrepräsentiert - zu Unrecht.

7. März 2018

Die Finanzbranche ist gemeinhin eine Männerdomäne. Global gesehen sind Frauen in Vorständen von Finanzunternehmen – allen voran in Banken – deutlich weniger vertreten als in Firmen aus anderen Branchen.[1] So sind beispielsweise in den Unternehmen aus dem Aktienindex S&P 500 lediglich 5,2 Prozent der CEOs und 21,2 Prozent der Vorstandsmitglieder Frauen.[2] Und auch unter den Finanzinvestoren befinden sich überwiegend Männer: Rund rel="noopener noreferrer" 115.000 Finanzanalysten weltweit tragen den Titel Chartered Financial Analyst (CFA)[3], allerdings sind nur rund 18 Prozent davon weiblich.[4]



Ein Grund dafür ist sicher auf den Faktor Familie zurückzuführen: Frauen setzen häufiger aus privaten Gründen im Job aus oder reduzieren ihre Arbeitszeit. Laut Adams,
Barber & Odean stellen vor allem die langen und unflexiblen Arbeitszeiten in der Finanzbranche ein Hindernis für Frauen dar.[5] Denn dadurch lassen sich Job und Familie schlechter vereinen. An Kompetenz fehlt es dem weiblichen Geschlecht jedoch nicht. Denn zahlreiche Studien belegen, dass Frauen besser investieren als Männer. Wir nennen vier gute Gründe, warum das so ist:

  1. Frauen schichten ihre Investments seltener um. Frauen tauschen jährlich 53 Prozent ihres Portfolios, Männer hingegen 77 Prozent. Dabei wirkt sich die Umschlaghäufigkeit der Investments negativ auf die Rendite aus, denn: Jede Transaktion kostet Geld.[6]

  2. Frauen schätzen Risiko realistischer ein. Frauen sind in Investmentfragen weniger selbstsicher als Männer.[7] Was zunächst wie eine Schwäche klingen mag, ist eigentlich ein Vorteil. Denn selbstsichere Investoren schätzen die Gewinne von Investments häufig zu hoch ein. Das kann so weit gehen, dass sie sogar dann handeln, wenn die realistische Gewinnerwartung negativ ist. Rationale – also weniger selbstsichere – Investoren hingegen handeln nur dann, wenn sie davon ausgehen, dass die Rendite die Transaktionskosten übersteigt.[8] Frauen stufen bestimmte Investments im Vergleich zu Männern als risikoreicher ein und sind realistischer.[9]

  3. Frauen analysieren besser. Frauen gehen in geschäftlichen Dingen strategischer vor als Männer. Sie berücksichtigen alle vorhandenen Informationen, bevor sie ein Investment tätigen, während Männer diese Informationen eher selektiv bewerten und schneller handeln. Männer agieren also emotionaler als Frauen[10] - ganz im Gegensatz zu dem gesellschaftlichen Vorurteil, sie seien das emotionalere Geschlecht.

  4. Frauen wählen weniger risikoreiche Anlageformen. Frauen investieren kleinere Beträge in risikoreiche Investments als Männer.[11] Männer investieren mehr Geld in Aktien, börsengehandelte Fonds (ETFs) und andere Investmentformen. Bei der Höhe der Anlagen in Investmentfonds hält sich bei Männern und Frauen dagegen die Waage.[12]

„Lehman Sisters“ alleine hätten die Finanzkrise auch nicht verhindert

Warum also sind Frauen nicht stärker als Finanzanalysten oder in Führungspositionen von Finanzinstituten vertreten? Diese Frage haben sich auch Adams und Ragunathan mit Blick auf die Finanzkrise 2008 gestellt: Hätte sie vermieden werden können, wenn die „Lehman Brothers“ die „Lehman Sisters“ gewesen wären? Eine konkrete Antwort darauf gab es nicht. Denn zum einen sind Frauen nicht alle gleich, sondern Individuen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Zum anderen unterscheidet sich die Risikobereitschaft von Frauen in der Finanzbranche von denen anderer.

Allerdings belegten die Untersuchungen auch, dass Banken mit mehr Frauen im Vorstand zwar nicht über ein geringeres Risiko verfügten, wohl aber im Vergleich zu anderen Unternehmen eine bessere Rendite erzielten.[13] Eine Erhöhung der Frauenquote unter Finanzvorständen und -analysten allein wird wohl nicht unbedingt eine Finanzkrise oder anderweitige Probleme verhindern. Dennoch können Frauen durch ihr risikoärmeres Vorgehen die Performance eines Unternehmens positiv beeinflussen. Diese Befunde sind auch für Männer eine gute Nachricht, weil sie bewusst weibliche Tugenden bei ihren Investments integrieren können - auch beim Coaching oder in der professionellen Vermögensverwaltung.



[1] Women in finance: Renée B. Adams & Tom Kirchmaier, 2016

[4] Family, values, and women in finance: Renée B. Adams, Brad M. Barber & Terrance Odean, 2016

[5] Family, values, and women in finance: Renée B. Adams, Brad M. Barber & Terrance Odean, 2016

[6] Boys will be boys: Brad M. Barber & Terrance Odean, 1999

[7] Boys will be boys: Brad M. Barber & Terrance Odean, 1999 und Gender diversity and financial intermediaries, Mirella Pellegrini, 2016

[8] Boys will be boys: Brad M. Barber & Terrance Odean, 1999

[9] The effect of gender in investors’ judgements and decision making: Yi Luo &. Steven E. Salterio, 2018

[10] Portfolio performance across genders and generations: Dennis Davydov, Otto Florestedt, Jarkko Peltomäki & Marcus Schön, 2016

[11] The effect of gender in investors’ judgements and decision making: Yi Luo &. Steven E. Salterio, 2018

[12] Portfolio performance across genders and generations: Dennis Davydov, Otto Florestedt, Jarkko Peltomäki & Marcus Schön, 2016

[13] Lehman Sisters: Renée B. Adams & Vanitha Ragunathan, 2015

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