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"Wir werden die Märkte offenhalten"

20. März 2018

Im vergangenen Sommer deutete es sich bereits an: Durch die „America First“-Politik des US-Präsidenten Donald Trump und nationalistische beziehungsweise protektionistische Tendenzen auch in anderen wichtigen Volkswirtschaften ist die Freiheit des Welthandels in Gefahr. Also nahmen die Staats- und Regierungschefs ein auf den ersten Blick unmissverständliches, auf den zweiten Blick zweideutiges Statement in die Abschlusserklärung des Hamburger G20-Gipfels auf:

„Wir werden die Märkte in dem Bewusstsein offenhalten, wie wichtig auf Gegenseitigkeit beruhende und für alle Seiten vorteilhafte Handels- und Investitionsrahmen und der Grundsatz der Nichtdiskriminierung sind, werden Protektionismus einschließlich aller unfairen Handelspraktiken weiterhin bekämpfen und erkennen die Rolle rechtmäßiger Handelsschutzinstrumente in diesem Zusammenhang an.“

Dass die Märkte acht Monate später etwas weniger offen sind als noch im vorigen Sommer, erscheint da fast folgerichtig. Zwar zitieren Medien in der aktuellen Berichterstattung zum G20-Finanzministergipfel in Argentinien vor allem den verkürzten Satz „Wir werden die Märkte offenhalten“. Allerdings gab es im Original auch den vieldeutigen Zusatz, dass rechtmäßige Handelsschutzinstrumente anerkannt werden sollen. 

Vermutlich hält Donald Trump die von ihm jüngst eingeführten Schutzzölle definitiv für rechtmäßige Handelsschutzinstrumente.

Doch rechtmäßig heißt eben nicht auch notwendig hilfreich. Das verdeutlicht eine vom Wirtschaftsforschungsinstitut ifo im vergangenen Herbst veröffentlichte Studie über die globalen Auswirkungen einer protektionistischen Handelspolitik. Danach würden unter einer einseitigen Einführung von Schutzzöllen und anderen protektionistischen Maßnahmen gegen alle Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO die Nachbarländer Kanada und Mexiko mit Rückgängen des durchschnittlichen Haushaltseinkommens um 2,73 Prozent und 2,51 Prozent stark leiden. Doch auch EU-Länder wie Irland (-3,48 Prozent) und Luxemburg (-2,84 Prozent) würden in Mitleidenschaft gezogen. Deutschland käme mit einem Verlust von 0,68 Prozent vergleichsweise glimpflich davon – glimpflicher auch als die USA selbst, deren Haushaltseinkommen im Mittel um 1,3 Prozent fallen könnte. All dies könnte auch durchaus drastische Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben – schließlich werden an diesen vor allem die Erwartungen an das zukünftige Wirtschaftswachstum gehandelt. Und wenn das geringer ausfällt als gedacht, ist das schlecht für Aktionäre.

Die Zeiten könnten also rauer werden für Anleger überall auf der Welt, zumindest aber ist die Lage im vergangenen Jahr deutlich komplizierter geworden als zuvor. Wohl dem, der in dieser Situation auf erfahrene Ratgeber und Portfoliomanager vertrauen kann. 

 

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