Wochenkommentar: Zentralbanken und Inflation im Fokus

19. März 2018

EZB-Präsident Mario Draghi signalisierte vergangene Woche erneut, dass der Ausstieg der Zentralbank aus der superexpansiven Geldpolitik langsam verlaufen wird.

Es gebe immer noch keine „überzeugenden Anzeichen für einen anhaltenden Aufwärtstrend“, sagte Draghi. Außerdem fehle immer noch ein entsprechender Lohnsteigerungsdruck, und die Beschäftigungssituation könne sich ohne Lohndruck weiter verbessern. Peter Praet, der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, betonte vergangene Woche ebenfalls, dass der Rückzug der EZB aus den Anleihekaufprogrammen langsam verlaufen werde. Wir rechnen damit, dass die EZB im Juni einen klaren Fahrplan für die Rückführung der Kaufprogramme bekannt gibt, inzwischen ist allerdings die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass es erst im Juli soweit ist. Bis zur zweiten Jahreshälfte 2019 sind keine Zinserhöhungen zu erwarten.

In den USA rechnen wir damit, dass die Federal Reserve (Fed) am Mittwoch den Leitzins um 25 Basispunkte (Bp) anhebt, allerdings nicht aufgrund des jüngsten Inflationsanstiegs. Die Arbeitsmarktentwicklung spielt für die Fed unserer Einschätzung nach eine größere Rolle. Das passt nicht nur zur bisherigen Erfahrung, sondern es ist angesichts der zeitlichen Verzögerung zwischen geldpolitischen Maßnahmen und ihrer Wirkung auch gut nachvollziehbar. Deshalb glauben wir, dass die Löhne in den USA ein besserer Frühindikator für nachhaltige Inflationstrends geworden sind als die aktuelle Inflation. 2018 erwarten wir von der Fed drei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte; sollte sich das Lohnwachstum auf die Höchststände von vor der Finanzkrise beschleunigen, könnte auch noch ein vierter Zinsschritt erfolgen. Die Voraussetzungen für ein noch schnelleres Tempo der Zinserhöhungen sind allerdings sehr hoch. 

Die Märkte müssen Trumps jüngste Ankündigungen verdauen

Die Aktienmärkte taten sich in den vergangenen Wochen schwer, einen klaren Richtungstrend auszubilden. Die Investoren waren damit beschäftigt, die potenziellen Auswirkungen der US-Handelszölle und des Ausscheidens von US-Außenminister Rex Tillerson abzuschätzen. Der Rücktritt von Gary Cohn als Chef des Nationalen Wirtschaftsrats Anfang der vergangenen Woche sorgte bei den Investoren ebenfalls für Unbehagen.

Die Berichtssaison neigt sich dem Ende zu. Unter dem Strich wird das vierte Quartal als eines der stärksten überhaupt in die Geschichte eingehen: Bis zu 70 % der Geschäftszahlen der Unternehmen in den Industrieländern lagen über den Erwartungen. Die guten Unternehmenszahlen für das vierte Quartal und die stabile gesamtwirtschaftliche Dynamik haben dazu geführt, dass viele Analysten ihre Gewinnprognosen angehoben haben. In den USA waren die Anhebungen aufgrund der angekündigten Steuerreform sogar noch etwas stärker ausgeprägt. Das könnte auch einer der Gründe dafür sein, dass die US-Aktienmärkte sich in den vergangenen Wochen besser entwickelt haben als die europäischen.

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