Wochenkommentar

Ölpreis von Atomabkommen beeinflusst

Die Entwicklungen der letzten Woche: Aussagen von US-Präsident Trump, US-Staatsanleihen, Kampf gegen Arzneimittelpreise.

22. Mai 2018

Die USA sind aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und werden neue Sanktionen gegen das Land verhängen. Diese Sanktionen werden auch für alle Unternehmen und Länder gelten, die mit dem Iran weiterhin Handel treiben. Das stellt für europäische Unternehmen eine mehrere Milliarden Euro schwere Bedrohung dar. Betroffene Unternehmen, die auch in anderen Ländern angesiedelt sein können, bekommen 180 Tage Zeit, den neuen Wirtschaftssanktionen nachzukommen und ihre Aktivitäten im Iran zu beenden. Trotzdem arbeiten europäische Politiker und die iranische Regierung an einer Lösung, um, wie der französische Finanzminister andeutete, den Handel mit dem Iran fortzusetzen und die Auswirkungen von US-Sanktionen gegen europäische Unternehmen zu „entkräften“. 

Der Markt hatte den amerikanischen Ausstieg aus dem Atomabkommen zwar schon weitgehend eingepreist, aber die scharfen Aussagen von US-Präsident Trump überraschten dann doch einige Marktteilnehmer. Die erste Reaktion war eine volatile Preisbewegung, gefolgt von einem Anstieg der Ölpreise. Die Sorte Brent stieg auf USD 80 pro Barrel. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, wie die OPEC mit dem geringeren Angebot umgeht. Die Organisation trifft sich am 22. Juni zu ihrer halbjährlichen Sitzung in Wien. Dort werden die Sanktionen gegen den Iran und die möglichen Folgen auf das weltweite Rohölangebot ebenso auf der Tagesordnung stehen wie das Auslaufen der Vereinbarung mit OPEC-/Nicht-OPEC-Ländern über eine Drosselung der Ölproduktion. 

Auf kurze Sicht gehen wir davon aus, dass die Ölpreise vor allem von angebotsbezogenen Unsicherheiten getrieben werden. Trotzdem erscheint das Aufwärtspotenzial bei den Ölpreisen begrenzt, denn eine unmittelbare Knappheit ist unwahrscheinlich. Der Großteil der Angst vor Angebotsengpässen scheint bereits eingepreist zu sein. Sollten die Spannungen im Nahen Osten eskalieren, werden die Ölpreise natürlich weiter steigen. 

Renditen erneut über 3 %
Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen stieg vergangene Woche erneut über die Marke von 3 %. Dieses Mal war der Anstieg überzeugender, und die Rendite kletterte weiter über 3,1 %. Die US-Wirtschaft scheint zu Beginn des zweiten Quartals wieder Fahrt aufgenommen zu haben. In Europa fehlen solche Anzeichen nach wie vor. Die jüngsten Kerninflationszahlen waren schwach, vor allem in Europa. Doch die Handelsspannungen und der Rückzug der USA aus dem Iran-Deal treiben die Ölpreise in die Höhe und geben den Geldpolitikern damit Verknappungssignale. Alles in allem erscheint ein nachhaltiger und deutlicher Anstieg der Renditen trotzdem unwahrscheinlich, denn wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed Mitte des nächsten Jahres ihren Zinserhöhungszyklus bei 3 % beendet. 

Von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten wir so schnell keine nennenswerten Maßnahmen, solange die Wirtschaftsdaten so enttäuschend bleiben. Der jüngste Anstieg der Risikoprämien in Peripherieländern wird zusätzlich dazu beitragen, dass die EZB vorsichtig bleibt. In Italien stehen die Populisten der Lega Nord und der Fünf-Sterne-Bewegung kurz davor, eine neue Regierung zu bilden, die die Steuern um 15 % kürzen, ein Grundeinkommen für alle einführen und das Renteneintrittsalter senken wollen würde. Gerüchte, dass im Lauf der Verhandlungen über einen Plan gesprochen worden sei, die italienischen Staatsanleihen in der EZB-Bilanz abzuschreiben, ließen die Risikoaufschläge auf Stände von vor der Wahl steigen. Auch wenn derartige Pläne keinerlei Aussicht auf Erfolg hätten, wären Italiens Politiker gut beraten, solchen Geschichten schnell Einhalt zu gebieten, bevor sie noch mehr Schaden anrichten. 

Die Risikoaufschläge auf Schwellenmarktanleihen sind unterdessen durch eine Kombination aus einem stärkeren US-Dollar, geopolitischen Spannungen und spezifischen Problemen in einzelnen Schwellenländern gestiegen. Diese Entwicklung ist unter Umständen noch nicht abgeschlossen, erscheint angesichts der weiterhin guten Fundamentaldaten aber eher als vorübergehende Kaufgelegenheit denn als strukturelle Entwicklung. 

Trump kämpft gegen Arzneimittelpreise 
Anfang vergangener Woche ließen wachsende geopolitische Spannungen und steigende Zinsen die Aktienmärkte fallen. Sie erholten sich in der zweiten Wochenhälfte wieder und näherten sich dem Niveau der Vorwoche. Nordkorea signalisierte, dass sein Staatschef Kim Jong-un das für nächsten Monat geplante Spitzentreffen mit US-Präsident Donald Trump absagen könnte, wenn die USA auf einer Entnuklearisierung Nordkoreas bestünden. Zinsabhängige Sektoren wie Telekom und Versorger entwickelten sich unterdurchschnittlich, jetzt, wo die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen auf 3,1 % gestiegen ist und ihren Anstieg von 2,1 % im September 2017 fortsetzte. Die hohen Dividenden des Sektors verlieren an Attraktivität, wenn die Anleiherenditen steigen. 

Zu Beginn der vergangenen Woche hielt Präsident Trump die lange erwartete Rede zu seinem Gesundheitsreformplan „American Patients First“. Er ist entschlossen, gegen hohe Arzneimittelpreise vorzugehen und die nicht von Krankenversicherungen getragenen Kosten, die die Bürger selbst zahlen müssen, zu senken. Da die USA der wichtigste Pharmamarkt sind, hatten die Investoren Sorge, Trump könnte Pläne für eine Deckelung der Arzneimittelpreise vorlegen. Glücklicherweise hat er sich hier nicht eingemischt. Stattdessen besteht eine seiner Maßnahmen darin, andere Länder mehr für Medikamente zahlen zu lassen, deren Erforschung und Entwicklung in den USA stattgefunden hat. Da andere Länder momentan deutlich weniger bezahlen, wäre dies positiv für den Pharmasektor. Obwohl die Chancen sehr gering sind, dass Trump mit diesem Vorhaben Erfolg hat, hat sich der Gesundheitssektor vergangene Woche überdurchschnittlich entwickelt: rund 0,5 % besser als der MSCI World.
 

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