Wochenkommentar

Neue Zolldrohungen gegen China und Auswirkungen auf die Geldpolitik

7. August 2018

Im schwelenden Handelskonflikt mit China legte Donald Trump vergangene Woche noch einmal nach. Zusätzlich zu den bereits umge-setzten Zöllen schlug der US-Präsident vor, die geplanten Zölle auf chinesische Importgü-ter im Wert von USD 200 Mrd. von 10 % auf 25 % zu erhöhen. Zum Teil lässt sich dieser Schritt Trumps durch die jüngste Schwäche des chinesischen Renminbi erklären, die einen Großteil des ursprünglich vorgeschlagenen zehnprozentigen Importzolls kompensiert.

Was bedeutet das für die Inflation in den USA? Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene würde ein 10-%-Zoll kaum ins Gewicht fallen, ein 25-%-Zoll dürfte die Inflation hingegen sicherlich steigen lassen. Vorausgesetzt, die Zölle würden über entsprechende Preiserhöhungen vollständig weitergegeben.  Unter Berücksichtigung der mindernden Wirkung der USD-Stärke gegenüber dem Renminbi schätzen unsere Volkswirte, dass der Zusatzzoll die Verbraucherpreisinflation 2019 um 20 Basispunkte auf 2,4 % steigen ließe, und sowohl die Kerninflation als auch die PCE-Inflation um bis zu 30 Basispunkte (auf 2,4 % beziehungsweise 2,3 %) steigen würden. In der Praxis ist aber völlig unklar, in welchem Ausmaß die Unternehmen die Kosten auf die Verbraucher umwälzen würden. Viele Unternehmen dürften erst einmal versuchen, die zusätzlichen Kosten über geringere Margen abzufedern, insbesondere wenn sie nicht davon ausgehen, dass die Zölle von Dauer sind. 

Angenommen, die Unternehmen geben die Zollkosten eins zu eins weiter, wären die Auswirkungen dann groß genug, dass die Fed ihren geldpolitischen Kurs verändert? Dies hängt von zwei wesentlichen, aber unkalku-lierbaren Faktoren ab: zum einen, ob das Geschäftskli-ma unter der unsicheren Handelspolitik leidet, und zum anderen, ob die Inflationserwartungen wieder steigen. Wenn alle anderen Faktoren unverändert blieben, würde eine Eintrübung des Geschäftsklimas zu einer weniger restriktiven Geldpolitik der Fed führen, steigende Inflationserwartungen würden hingegen einen restriktiveren Kurs bedeuten. Ein Zoll in Höhe von 25 % auf Importgüter im Wert von insgesamt USD 250 Mrd. ist zwar erheblich, aber unsere Volkswirte vermuten, dass sowohl das Geschäftsklima als auch die Inflationserwartungen dies überstehen würden. Es ist aber zweifellos etwas, das wir genau im Auge behalten müssten. Vor dem Hintergrund dieser Verschärfung des Handelskriegs ist die Spanne der möglichen gesamtwirtschaftlichen und geldpolitischen Entwicklungen noch größer geworden.

Viele Nachrichten
In der vergangenen Woche war für die Investoren erneut viel los. Inzwischen ist die Berichtssaison für das zweite Quartal in vollem Gange. Außerdem sorgten die Zentralbanken weltweit und die anhaltenden Debatten über Handelszölle für reichlich Nachrichtenstoff, den die Märkte verdauen mussten. Das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker war in der Vorwoche zwar konstruktiv verlaufen, aber die Sorgen über den Handelsstreit belasteten vergangene Woche dennoch die Stimmung an den Märkten. Die Auswirkungen zeigen sich vor allem an den chinesischen Aktienmärkten. Der CSI-300-Index, der aus großen auf dem chinesischen Festland notierten Unternehmen besteht, bewegt sich momentan 20 Prozent unter dem Höchstwert dieses Jahres. Dies liegt vor allem an den anhaltenden Sorgen wegen der Handelsstreitigkeiten, der konjunkturellen Abkühlung und dem schwächeren Renminbi. Die Investoren blicken mit Sorge auf die Unwägbarkeiten, die sich aus einer möglichen Eskalation des Handelskriegs ergeben. Die Erholung der Konjunktur in der Eurozone hat etwas nachgelassen: Im zweiten Quartal lag das Wirtschaftswachstum nur bei 0,3 % des BIP, was bestätigen könn-te, dass die Wirtschaft eine Schwächephase durchläuft. Unterdessen ließen die Notenbanker in den USA ihre Geldpolitik in der vergangenen Woche unverändert. Wir gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen bis Juni 2019 in vier Schritten auf 3 % anhebt.

Anleihemärkte blicken nach Japan
In den letzten Juli-Wochen und Anfang August sind die Renditen von deutschen und amerikanischen Staatsan-leihen schrittweise in Richtung 0,5 % beziehungsweise 3 % gestiegen. Die gesamtwirtschaftlichen Daten waren durchwachsen, unter dem Strich sind sie in den USA etwas weniger positiv ausgefallen, während sie sich in Europa und in den meisten Schwellenländern stabilisiert haben. Eine weniger gegenläufige und stärker synchrone Entwicklung in den USA und in Europa dürfte die Risiken für das weltweite Wachstum senken.

Sowohl die Europäische Zentralbank als auch die US-Fed haben bei ihrer jeweils jüngsten Sitzung die Geldpolitik unverändert gelassen und betont, man werde den aktuellen Kurs fortsetzen. Ohne geldpolitische Veränderungen in der Eurozone und in den USA können sich die Märkte voll und ganz auf die kleineren Anpassungen in Japan konzentrieren. Die Bank of Japan warnt die Märkte, dass es noch etwas länger dauert, bis die extrem expansive Geldpolitik endlich die Inflation ankurbelt. Um negative Nebenwirkungen auf Banken zu vermeiden, werden die japanischen Notenbanker der Rendite auf 10-jährige japanische Staatsanleihen eine etwas größere Schwankungsbreite einräumen. Unter dem Strich scheint dies zu etwas höheren Renditen in Japan zu führen, die nach Absicherung des Währungsrisikos besser mit den Renditen in Europa und in den USA konkurrieren können. Insgesamt dürften sich die Renditen in den nächsten Monaten seitwärts entwickeln. Das größte Risiko besteht darin, dass sich die Handelsstreitigkeiten zu einem Handelskrieg entwickeln.

Reinhard Pfingsten