Wochenkommentar

Die Renditekurve im Blick 

Mehr zu den Entwicklungen in der US-Politik sowie zu Staatsanleihen und Aktienmärkten in der vergangenen Woche.

23. April 2018

Anfang der vergangenen Woche gab das Weiße Haus in Washington D.C. die Nominierung von Richard Clarida als Vize-Vorsitzender des Boards der US-Notenbank bekannt. Als Board-Mitglied wäre er auch abstimmungsberechtigtes Mitglied des Offenmarktausschusses (FOMC), wenn der Senat seiner Ernennung zustimmt. Richard Clarida ist Volkswirt und langjähriger Professor an der Columbia-Universität. Clarida sieht den neutralen Leitzins (Fed Funds Rate) bei 2-3 %, gegenüber 4 % vor der Krise. Seine Einschätzung passt zu unserer Erwartung, dass die Fed bis Juni 2019 weiterhin einmal im Quartal die Zinsen erhöht und die Fed Funds Rate damit bis auf eine Obergrenze von 3 % anhebt. Da der Fed-Funds-Futures-Markt immer noch unseren Prognosen hinterherhinkt und nur zwei weitere Zinserhöhungen für 2018 einpreist, während wir drei erwarten, sehen wir die Möglichkeit, dass höhere Zinserwartungen die Renditen auf US-Staatsanleihen in den kommenden Monaten nach oben treiben.


Die US-Einzelhandelsumsätze stiegen im März um 0,6 % gegenüber dem Vormonat. Angesichts der Stärke werden vor allem diejenigen erleichtert sein, die sich über die relative Schwäche in den vorangegangenen drei Monaten Sorgen gemacht hatten. Offenbar gibt es zwar einige Einmalfaktoren, die die Konsumausgaben im ersten Quartal gebremst hatten, in unseren Augen spiegelt die Schwäche aber vermutlich eine Stabilisierung der Konsumausgaben nach einer außergewöhnlichen starken Phase im zweiten Halbjahr 2017 wider; so stieg der private Konsum im vierten Quartal 2017 zum Beispiel so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Unter dem Strich sind die Fundamentaldaten, die die Konsumausgaben unterstützen, in unseren Augen nach wie vor gut. Zu den vielen positiven Faktoren zählen ein anhaltend starkes Stellenwachstum, zunehmende Lohnsteigerungen, Steuersenkungen, die relativ niedrige Verschuldung der privaten Haushalte und ein nach wie vor erhöhtes Vertrauen der Verbraucher in den USA. 

Die Renditekurve wird flacher 
US-Staatsanleihen haben sich im Wochenverlauf weiter innerhalb der seit Februar geltenden Handelsspanne bewegt, zum Ende der Woche erreichten die Renditen für 10-jährige US-Treasuries dann aber doch die Niveaus der bisherigen Jahreshöchstände. Auch in Europa bewegten sich Staatsanleihen der Kernländer Deutschland, Frankreich und Niederlande in einer Handelsspanne, und Staatsanleihen von Peripherieländeranleihen wie Italien, Spanien und Portugal verzeichneten eine Outperformance. 

Am bemerkenswertesten war vergangene Woche, dass die Renditekurve bei US-Staatsanleihen noch flacher geworden ist. Die Renditekurve ist ein Chart, der die Zinsen für Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten zeigt. Bei einer flachen Kurve ist der Unterschied zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen bei den betreffenden Anleihen, hier bei US-Staatsanleihen, gering. Als einer der führenden Märkte fungiert der US-Finanzmarkt als Signalgeber für andere Regionen. Deshalb wollen die Investoren immer verstehen, was auf der anderen Seite des Atlantiks geschieht. 
Das zentrale Thema ist in der Regel der Renditeunterschied zwischen 10-jährigen und 2-jährigen Treasuries (aktuell 50 Basispunkte). Wenn die Renditekurve flacher wird, lässt dies normalerweise Rückschlüsse auf die Konditionen für künftige wirtschaftliche Aktivitäten zu. Eine inverse Renditekurve (bei der die kurzfristigen Zinsen höher sind als die langfristigen) kann ein Vorbote für ein geringeres Wachstum der Wirtschaftsleistung in der Zukunft sein. Vergangene Woche richtete sich die Aufmerksamkeit auf den Unterschied zwischen 30-jährigen und 5-jährigen US-Staatsanleihen, der auf ein niedrigeres Niveau hindeutet. Er könnte sogar die Marke von 30 Basispunkten durchbrechen. Von 2005 bis 2009, also in dem Zeitraum vor der globalen Finanzkrise, lag dieser Abstand in der Nähe von 5 Basispunkten. Und der Abstand zwischen 10- und 2-jährigen US-Staatsanleihen lag damals ebenfalls bei 5 Basispunkten.
 
Einige Geldpolitiker der Fed verleihen ihrer Sorge Ausdruck, dass die FOMC-Mitglieder ihre Zinserhöhungserwartungen nicht aggressiv anheben sollten. Denn in ihren Augen mögen die Inflation niedrig und das Wachstum relativ in Ordnung sein, aber noch nicht gut genug für höhere Zinserwartungen. Wir halten weiterhin an unserer Positionierung fest, rechnet mit kontinuierlichen Zinserhöhungen in den USA und mit einer stabilen Entwicklung der Inflationsindikatoren. 
 
Berichtssaison: positiver Start 
Die Aktienmärkte sind in der vergangenen Woche gestiegen, denn die Sorge vor einem Handelskrieg hat nachgelassen, und die Berichtssaison hat vielversprechend begonnen. Die Sektoren mit der höchsten Performance waren Energie und Grundstoffe. Energieaktien haben von einem weiteren Anstieg der Ölpreise profitiert. Die Stärke des Grundstoffsektors war das Ergebnis steigender Preise für Industriemetalle, vor allem Aluminium. 
 

Vermögensmanagement und Investments mit Prospery