Wochenkommentar

EZB hält Kurs

18. September 2018

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer September-Sitzung des EZB-Rats am vergangenen Donnerstag alle Elemente ihrer Geldpolitik unverändert gelassen. Die wichtigsten Leitzinsen blieben ebenso unverändert wie die Planungsvorgaben für die weitere Entwicklung: Die Zinsen bleiben „aller Voraussicht nach mindestens bis Ende Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau“, sagen die Notenbanker. Nach September 2018 senkt die EZB den Umfang der monatlichen Anleihekäufe auf EUR 15 Mrd., und Ende Dezember laufen die Nettokäufe aus, „sofern die aktuellen Wirtschaftsdaten bestätigen, dass das Inflationsziel der EZB erreicht wird“.

Alles in allem scheint die EZB in Wartestellung zu sein; sie wollte ganz offensichtlich vermeiden, dass sich an den Erwartungen an die Geldpolitik nach ihrer Mitteilung etwas ändert. EZB-Präsident Mario Draghi sprach bei seiner Pressekonferenz über den Ausblick für Wachstum und Inflation in der Eurozone. Protektionismus, die Entwicklung in den Schwellenländern und die Volatilität an den Finanzmärkten sorgten zwar für Unsicherheit, die „stärker in den Vordergrund gerückt ist“, alles in allem hielten sich die Auf- und Abwärtsrisiken für die Wachstumsprognose der EZB aber die Waage, sagte Draghi. Unserer Einschätzung nach müssten sich die Wirtschaftsdaten oder das Geschäfts- und Konsumklima schon drastischer verändern, damit die EZB ihren Wirtschaftsausblick neu ausrichtet.

Steigende Ölpreise

Anfang der vergangenen Woche haben wir gesehen, dass sich die Investoren nach wie vor Sorgen machten, der Handelskrieg zwischen den USA und China könnte weiter eskalieren. Gerüchte, US-Finanzminister Steven Mnuchin habe China eingeladen, die Handelsgespräche wieder aufzunehmen, sorgten im Lauf der Woche dann aber für etwas Entspannung.

Unter dem Strich haben sich die Aktienmärkte nicht groß bewegt. Die Ölpreise sind gestiegen, weil sich die Investoren über die Auswirkungen der US-Sanktionen gegen den Iran und des Hurrikans Florence vor der Ost-Küste der USA Gedanken machten. Im Hinblick auf die möglichen Folgen des Wirbelsturms entwickelte sich der US-Versicherungssektor schlechter als der Gesamtmark.

Italien bleibt in den Schlagzeilen

Die US-Notenbank Fed veröffentlichte ihren aktuellen Konjunkturbericht: Das sogenannte Beige Book ist eine Zusammenfassung der Kommentare der zwölf regionalen Zentralbanken der USA, die in der jüngsten Fassung den Zeitraum bis einschließlich 31. August abdeckt. An 41 Stellen des Beige Books wurden „Zölle“ als Hauptrisiko für die Wirtschaft genannt. Dennoch gehen wir davon aus, dass die Fed ihren aktuellen Kurs beibehält, weil das finanzielle Umfeld sehr stabil ist. Zehnjährige US-Staatsanleihen (Treasuries) dürften weiter in der Nähe von 3 % rentieren und könnten diese Marke sogar vorübergehend überschreiten.

Unterdessen brachte die geldpolitische Sitzung der EZB am vergangenen Donnerstag erwartungsgemäß kaum neue Erkenntnisse oder Signale. Daher hielt sich auch die Reaktion der Märkte in Grenzen. Die leichte konjunkturelle Eintrübung kommt zu einer Zeit, da die EZB ihr Anleihekaufprogramm schnell zurückfährt. Dementsprechend setzen die Risikoaufschläge von Anleihen ihren allmählichen und langsamen Anstieg fort, wobei der Euroraum stärker davon betroffen ist als die USA.

Derweil vergeht momentan kaum ein Tag ohne Schlagzeilen in den Finanznachrichten aus Italien. Für die Investoren ist das eine Mahnung, dass eine Beschränkung des Haushaltsdefizits auf maximal 2 % noch keineswegs sicher ist; am 15. Oktober muss Italien seinen Haushaltsentwurf der Europäischen Kommission vorlegen. Die eigentliche Herausforderung ist für die italienische Regierung aber natürlich nicht die Auseinandersetzung mit Brüssel, sondern die mit den Finanzmärkten. Die Risikoaufschläge auf zehnjährige italienische Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit liegen momentan bei rund 255 Basispunkten und schwanken zwischen 210 und 290 Basispunkten. Wir halten ein Absinken ans untere Ende dieser Spanne durchaus für möglich, weil wir von positiven Überraschungen ausgehen.

In den Schwellenländern gibt es neben den Handelsspannungen, weiteren Sanktionen und dem bevorstehenden ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen in Brasilien am 7. Oktober noch viele andere Faktoren, die die Stimmung belasten und für weitere Volatilität bei Schwellenmarktschuldtiteln sorgen. Dennoch gehen wir nicht von einer grundsätzlichen Ansteckungsgefahr aus und beurteilen den Ausblick der Schwellenmärkte weiterhin optimistisch.