wochenkommentar

Fed hebt erneut den Leitzins an

1. Oktober 2018

Die US-Notenbank hat vergangene Woche erwartungsgemäß die Zinsen um 0,25 % auf eine Spanne von 2,00 bis 2,25 % angehoben. In der nach der Sitzung veröffentlichten Mitteilung beschrieb die Federal Reserve ihre Geldpolitik nicht mehr als „expansiv“; eine auffallende Veränderung gegenüber den vorangegangenen Mitteilungen.

Der Zinsschritt der vergangenen Woche war die achte Zinsanhebung der US-Notenbank seit Ende 2015. Obwohl die Fed ihre Geldpolitik nicht mehr als „expansiv“ bezeichnete, betonte der Notenbankchef Jerome Powell bei seiner Pressekonferenz ausdrücklich, die veränderte Formulierung habe keinerlei Auswirkung auf die Einschätzung des geldpolitischen Kurses durch die Fed. Die Tatsache, dass nicht mehr von einer expansiven Politik die Rede ist, sei vielmehr „ein Zeichen dafür, dass die Politik sich unseren Erwartungen entsprechend entwickelt“, sagte Powell. Er beschrieb den Zustand der US-Wirtschaft als „stark“ und fügte hinzu, das Wachstum verlaufe „in einem gesunden Tempo“. Zudem betonte Powell erneut, die Zinspolitik der Fed spiegle nach einer langen Phase sehr niedriger Zinsen eine „allmähliche Rückkehr zur Normalität“.

Alles in allem bestätigen die minimalen Änderungen an den Prognosen der Fed-Geldpolitiker und die ausgewogene Pressekonferenz die Einschätzung unserer Volkswirte, dass die Fed bis zum Juni 2019 drei weitere Zinserhöhungen durchführen und die Zielspanne für die Fed Funds Rate auf 2,75 bis 3,00 % anheben wird.

Volatile Woche an den Anleihemärkten
EZB-Präsident Mario Draghi betonte vergangene Woche überraschend, die Notenbank rechne mit einem relativ starken Anstieg der Inflation. Dies führte dazu, dass die Renditen auf Bundesanleihen ein neues Hoch seit den Turbulenzen im Mai erreichten. Gleichlaufend mit dieser Entwicklung stieg die Rendite auf US-Staatsanleihen über die Marke von 3,1 %; damit lagen sie wieder auf dem Level der höchsten Renditen der vergangenen sieben Jahre. Ab jetzt werden die Investoren die Inflationsentwicklung genau im Auge behalten und versuchen abzuschätzen, ob Draghis Erwartung eintritt und welche Folgen sich daraus für die Planvorgaben der EZB ergeben. Bisher scheint ein früherer Start von Zinserhöhungen nicht Gegenstand von Diskussionen zu sein, aber Draghis Aussagen lösten zunächst Spekulationen über eine mögliche Beschleunigung des Zinserhöhungszyklus aus. Die am Freitag veröffentlichten, schwachen Kerninflationsdaten der Eurozone gaben dann aber keinen konkreten Hinweis, dass die EZB-Erwartung unmittelbar einträfe.

Nachdem der Markt vergangene Woche die Nachrichten der US-Fed und der EZB verdaut hatte, sorgte die Politik für Volatilität. Italiens Haushaltsdefizit für 2019 ist ein wichtiger Gradmesser für die Bereitschaft der neuen Regierung, eine Verschlechterung der finanziellen Lage des Landes in Kauf zu nehmen, um die teuren Wahlversprechen zu finanzieren. Staatsanleihen des Landes kamen nach Verkündigung des Defizits über sämtliche Laufzeiten unter Druck, ein Übergreifen auf andere Peripheriestaaten Europas blieb allerdings weitestgehend aus. Angesichts der insgesamt guten wirtschaftlichen Lage in Europa sehen wir keine unmittelbaren Risiken einer neuen Euro-Krise oder einer italienischen Zahlungsunfähigkeit. Trotzdem besteht langfristig das Risiko einer Bonitätsverschlechterung, wenn Italien die Erhöhung seiner öffentlichen Ausgaben in den kommenden Jahren fortsetzt.

Die rückläufigen Anleihekäufe der EZB könnten zu einem Faktor werden, den Investoren im Auge behalten sollten. Im September erreichten die Volumina an Neuemission einen diesjährigen Rekord. Dies deutet darauf hin, dass die Unternehmen mit Auswirkungen auf ihre Finanzierungskosten rechnen und sich am Primärmarkt mit zusätzlichem Kapital eindecken wollen, solange die EZB noch Unternehmensanleihen kauft. Da die Einzelheiten der Kauf- und Reinvestitionsstrategie der EZB nicht bekannt sind, lassen sich die Auswirkungen schwer abschätzen. Dass der Anteil der EZB an den Emissionen am Primärmarkt trotz des größeren Angebots abnimmt, könnte jedoch darauf hindeuten, dass die Risikoprämien von Unternehmensanleihen langfristig stärker unter Druck stehen.

Aktienmärkte leicht gefallen
An den Aktienmärkten waren vergangene Woche leichte Rückgänge zu verzeichnen. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist eskaliert, nachdem die USA neue Zölle auf Importe aus China im Wert von USD 200 Mrd. verhängt haben. China reagierte daraufhin sofort mit neuen Handelszöllen auf Importe aus den USA im Wert von USD 60 Mrd. Zudem sagte Peking die Handelsgespräche mit den USA ab. Der Hang Seng Index reagierte mit Verlusten, konnte sich im Wochenverlauf aber wieder etwas erholen. Nach der Zinserhöhung durch die US-Fed waren in den USA, in Europa, Japan und China Kursverluste an den Aktienmärkten zu verzeichnen. Die Investoren rechnen bis ins nächste Jahr hinein mit weiteren Zinserhöhungen.   

Reinhard Pfingsten