Wochenkommentar

Fed und EZB geben grünes Licht

Die Finanzmärkte werden weiterhin von den Zentralbanken dominiert.

18. Juni 2018

Die Zentralbanken haben die Märkte in der vergangenen Woche dominiert, denn sowohl die Federal Reserve (Fed) als auch die Europäische Zentralbank (EZB) haben sich jeweils einen Schritt weiter in Richtung normalerer Zinsen bewegt. 

Erwartungsgemäß teilte die EZB mit, ihre Anleihekäufe im Rahmen der quantitativen Lockerung bis Ende des Jahres einzustellen. Gleichzeitig begann sie mit zeitspezifischen und situationsabhängigen Planvorgaben für die Zinsentwicklung, was darauf hindeutet, dass die Leitzinsen noch mindestens bis September 2019 unverändert bleiben. Sollten die Risiken der Prognosen zunehmen, dürfte die EZB praktisch eine Lockerung der Geldpolitik bewirken, indem sie den Zeitraum bis zur ersten Zinserhöhung verlängert; das Anleihekaufprogramm dürfte sie hingegen nicht wieder aufnehmen. 

Wir rechnen damit, dass die EZB im September 2019 das erste Mal die Zinsen anhebt. Sollte diese Prognose nicht zutreffen, dürfte die erste Erhöhung angesichts des unsicheren konjunkturellen Ausblicks und der schwachen zugrunde liegenden Inflation eher später erfolgen. Wir gehen davon aus, dass die Renditen auf deutsche Staatsanleihen auf 3-Monats-Sicht in der Nähe der aktuellen Stände bleiben (2-jährige Anleihen: -0,6 %, 10-jährige Anleihen: 0,5 %) und danach nur langsam steigen. Zudem rechnen wir für diesen Zeitraum mit einer weiteren Abschwächung des Euros (in 3 Monaten dürfte der EUR/USD-Kurs bei 1,10 liegen). 

Die Währungshüter der Federal Reserve hoben vergangene Woche die Zielspanne für die Federal Funds Rate (Leitzins) erwartungsgemäß um 25 Basispunkte auf 1,75-2,00 % an. Die wichtigste Nachricht war die starke Ausrichtung der Pressekonferenz von Fed-Chef Powell auf das Thema Finanzmarktstabilität. Bei mindestens fünf Gelegenheiten schien Powell das Ziel der Finanzstabilität ähnlich wichtig einzustufen wie das offizielle 
Inflationsziel der Fed von 2 % und das Bestreben, die Arbeitslosigkeit so gut wie möglich zu reduzieren. Aktuell bewege sich die Finanzmarktstabilität auf einem „normalen“ Niveau, sagte Powell, er zeigte sich aber besorgt über die Vermögenspreise in „ein paar Nischen“ und verwies auf eine historisch hohe Verschuldung der Unternehmen. Powell betonte die beiden vorangegangenen Boomphasen seien nicht einer zu hohen Inflation zum Opfer gefallen, sondern finanzieller Instabilität, weshalb die Währungshüter die Entwicklung im Auge behalten. Diese Betonung lässt in unseren Augen darauf schließen, dass die Fed nicht unbedingt ein höheres Lohnwachstum oder eine höhere Inflation voraussetzt, um die Zinsen über das normale Maß hinaus anzuheben, sondern dass schon allein ein Anstieg der Risiken für die Finanzstabilität ausreichen könnte, um weitere Zinserhöhungen auszulösen. 

Anleihen 
In den USA war die zweite Zinserhöhung der Federal Reserve mit der Botschaft verbunden, das aktuelle Arbeitsumfeld habe sich verbessert und sei inzwischen zufriedenstellend, während die Kerninflation inzwischen leicht über dem Ziel von 2 % liege. Was viele nicht erwartet hatten, war die Änderung im sogenannten Dot Plot. Das ist ein Chart, in dem die Fed monatlich veröffentlicht, wo die einzelnen Mitglieder des Offenmarktausschusses das künftig angemessene Zinsniveau sehen. Mit anderen Worten: Der Dot Plot vermittelt Investoren ein Gespür dafür, welche künftigen Entscheidungen die abstimmungsberechtigten Mitglieder künftig treffen dürften. Ausgehend vom jüngsten Dot Plot können wir vier Zinserhöhungen in diesem Jahr erwarten; das heißt, zwei kommen noch bis zum Jahresende. Die Anleihemärkte blieben in der Folge der Ankündigungen ruhig. 

In Europa war die EZB in ihren Entscheidungen konsequenter als erwartet. Nach dem Sommer wird sie das monatliche Volumen ihrer Anleihekäufe halbieren, im Dezember folgt dann das Ende des Programms. Der Fokus der Anleiheinvestoren lag allerdings auf der Ankündigung, den Leitzins noch bis mindestens nach dem Sommer 2019 unangetastet zu lassen, was als gute Nachricht aufgefasst wurde: Die Renditen fielen in Deutschland und in Frankreich um nahezu 10 Basispunkte. 

Aktien 
Die positive Dynamik an den Aktienmärkten ließ in der vergangenen Woche nach, als die US-Notenbank Fed ihre Zinserwartungen nach oben korrigierte. Die US-amerikanischen Indizes gingen unverändert ins Wochenende. Der europäische Stoxx 600 Index schaffte es in der Wochenbilanz leicht ins Plus, wohingegen Chinas Hang Seng Index 2 % einbüßte. Vor der Berichtssaison für das zweite Quartal, die im Juli beginnt, dürften die Märkte von geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Nachrichten getrieben werden.


 

Vermögensmanagement und Investments mit Prospery