Wochenkommentar

Gemischte Gefühle

Der ausstieg der usa aus dem atomabkommen mit dem iran hat die nachrichtenlage in der vergangenen Woche geprägt. 

17. Mai 2018

Die Aktienmärkte sind in der vergangenen Woche leicht gestiegen. Die Entscheidung der USA, aus dem Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen und die Sanktionen gegen das Land wieder in Kraft zu setzen, hat die Investoren nicht nervös werden lassen. Die Aktienmärkte reagierten kaum auf die Nachricht, abgesehen von Energieunternehmen, deren Kurse gestiegen sind, weil die neuerlichen Sanktionen das Angebot an iranischem Öl verringern werden. Auch die Ölpreise reagierten auf den Ausstieg der USA aus dem Iran-Abkommen: Rohöl der Sorte WTI stieg über die Marke von USD 70 pro Barrel. Aktieninvestoren störten sich nicht am kurzfristigen Überschreiten der 3%-Marke durch die Rendite von 10-jährigen US-Staatsanleihen. Die Marktteilnehmer scheinen zuversichtlich, dass das starke Wachstum in den USA nicht zu einer Überhitzung der Wirtschaft oder zu einer galoppierenden Inflation führt. 


Die Berichtssaison für das erste Quartal ist fast vorüber. Sowohl in den USA als auch in Europa haben die meisten Unternehmen ihre Geschäftszahlen vorgelegt. Im Fazit meldeten amerikanische Unternehmen bessere Zahlen als die europäischen. In Europa verzeichneten die Unternehmen im Durchschnitt nur 5 % Gewinnwachstum, während die Unternehmen des S&P 500 Index nahezu 25 % Gewinnwachstum vorzuweisen hatten. Der große Unterschied lässt sich auf folgende Faktoren zurückführen: 1. In den USA sind die Unternehmenssteuern deutlich niedriger. 2. Der schwache US-Dollar ist den Gewinnen der amerikanischen Unternehmen zugutegekommen. 3. Der schnell wachsende IT-Sektor ist in den USA erheblich größer als in Europa. In Euro bewertet haben sich amerikanische und europäische Aktien seit Beginn der Berichtssaison ähnlich entwickelt; das deutet darauf hin, dass die Investoren bereits erwartet hatten, dass die Gewinne in den USA besser sind als in Europa. 

Stehen höhere Zinsen bevor?
JPMorgan-Chef Jamie Dimon riet den Investoren vergangene Woche, sich in den USA auf ein Renditeniveau von 4 % einzustellen. Aktuell bewegt sich die Rendite auf 10-jährige US-Staatsanleihen in der Nähe der 3%-Marke. Auch wir sehen Potenzial für einen weiteren Anstieg der Renditen, aber 4 % scheint dann doch etwas weit hergeholt. Wir rechnen damit, dass die Rendite auf 10-jährige-US-Staatsanleihen bis zum Jahresende auf 3,2 % steigt. Die US-Regierung unterstützt das Wachstum, und die US Notenbank (Fed) ist bereit, den Leitzins weiter anzuheben. Gleichzeitig beendet die Fed die Reinvestition der Erlöse aus fällig werdenden Anleihen; damit entzieht sie dem System letztlich Geld. Die entscheidende Frage lautet weiterhin: Wann wird all das zu inflationären Entwicklungen führen? 

In der Eurozone sieht die Zinsentwicklung etwas anders aus. Die enttäuschenden Inflationszahlen der vergangenen Woche ließen die Rendite auf zehnjährige Bundesanleihen sinken. In Europa lautet die entscheidende Frage: Wann und wie wird die EZB ihr Anleihekaufprogramm beenden? Solange die EZB Unternehmensanleihen kauft, unterstützt sie dieses Segment des Anleihemarkts. Da aber klar ist, dass die Notenbank ihre Anleihekäufe irgendwann im zweiten Halbjahr beendet, halten wir eine große Position in Euro-Unternehmensanleihen für immer weniger sinnvoll. Die Risikoprämien auf Unternehmensanleihen sind in letzter Zeit gestiegen, und entsprechend sind die Preise, die sich umgekehrt zu den Renditen entwickeln, gefallen. In letzter Zeit ist deutlich geworden, dass die EZB weniger gekauft hatte als von den Investoren erwartet worden war. 


Ausblick für den Ölpreis
Der Iran produziert rund 3,8 Millionen Barrel Öl pro Tag, von denen 2,2 Millionen Barrel pro Tag exportiert werden. 0,8 Millionen fließen nach Europa. Diese Exporte werden nach der Aufkündigung des Atomabkommens von den US-Sanktionen am stärksten betroffen sein, selbst wenn es den europäischen Partnern gemeinsam mit Russland und China gelingt, das Atomabkommen mit dem Iran aufrechtzuerhalten. 

 

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