Wochenkommentar

Handelsstreit weiter Marktthema

23. Juli 2018

Der chinesische Renminbi (CNY) hat in den vergangenen Handelstagen gegenüber dem US-Dollar weiter abgewertet. Seit dem Hoch Ende März hat Chinas Währung 8 % an Wert verloren, seit Mitte Juni ist es ein Verlust von 5,5 %; jetzt wird der Renminbi wieder auf dem Niveau von vor einem Jahr gehandelt. Am Freitagmorgen wurde der Renminbi-Preis zum ersten Mal seit dem 9. August 2017 wieder jenseits der Marke von 6,70 festgesetzt. In unseren Augen ist der eskalierende Handelsstreit mit den USA eine der zentralen Ursachen für die jüngste Abwertung des Renminbis. 

Darüber hinaus sehen wir weitere Anzeichen dafür, dass die chinesische Wirtschaft ihre (allmähliche) Abkühlung fortsetzt. Hier zeigt sich das Dilemma, in dem die chinesischen Behörden stecken. Peking hat sich einem stärker marktorientierten Wechselkurssystem verschrieben und Marktkräften einen gewissen Einfluss auf den Preis gegeben. Außerdem könnte Peking die Abschwächung der Währung in gewissem Umfang auch als Instrument im aktuellen Handelskrieg mit den USA verwenden, denn eine Abwertung des Renminbis wirkt höheren Importzöllen der USA entgegen. 

Andererseits sind wir nach wie vor der Ansicht, dass die People’s Bank of China (PBoC) den Renminbi gegenüber dem US-Dollar nicht allzu sehr abwerten lassen wird. Das hatte sich schon Anfang Juli nach verbalen Eingriffen von offizieller Seite gezeigt, nach denen sich Chinas Währung vorübergehend erholte. 


Aktien: Berichtssaison beginnt positiv 
Die Aktienmärkte gaben in der vergangenen Woche ein uneinheitliches Bild ab. Die zugrunde liegenden Fundamentaldaten sind zwar im Allgemeinen ermutigend, aber die geopolitischen Spannungen als Folge der Handelsstreitigkeiten wirken immer noch belastend. Die Berichtssaison für das zweite Quartal, die inzwischen läuft, kann ein genaueres Bild darüber abgeben, in welche Richtung sich die Gewinne und die Gewinnerwartungen entwickeln. Wir stehen zwar noch am Anfang der Berichtssaison, aber die USA scheinen erneut gut zu starten, während die Ergebnisse in Europa bislang durchwachsen sind. 

Der Markt rechnet in den USA mit einem deutlich höheren Gewinnwachstum als in Europa. So gehen die Investoren bei US-Unternehmen von einem Wachstum des Gewinns je Aktie von nahezu 20 % aus, während sie in Europa „nur“ rund 9 % erwarten. Die Dynamik in den USA profitiert zum Teil von den Steuersenkungen der Regierung Trump. 


Anleihen: Renditen auf deutsche Staatsanleihen bleiben niedrig 
Im Lauf der vergangenen Woche war das Nettoangebot am Primärmarkt für europäische Staatsanleihen anders als im Rest des Monats positiv. Deutschland, Spanien und Frankreich emittierten zusammen Staatsanleihen im Wert von rund EUR 17 Mrd. Da das Volumen fällig werdender Papiere in nächster Zeit steigen wird, dürfte das Nettoangebot schon bald wieder negativ werden. Es ist davon auszugehen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Rückflüsse aus ihrem Anleiheportfolio reinvestiert; das wird während der traditionell weniger liquiden Sommermonate die Nachfrage erhöhen. 

Enttäuschende europäische Kerninflationsdaten, die letzten Mittwoch veröffentlicht wurden, dämpften die Erwartungen der Marktteilnehmer an die Zins- und Inflationsentwicklung und verringerten damit auch die Gefahr steigender Renditen. Die Eskalation des Handelsstreits und die Bedenken über die politische Lage in Italien, die im ersten Halbjahr die Risikobereitschaft der Investoren erstickt haben, spielen nach wie vor eine Rolle.


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