Wochenkommentar

Handelszölle & Stresstests

Die europäischen und die US-amerikanischen Märkte haben sich in den vergangenen Wochen überwiegend seitwärts entwickelt. Trotzdem gibt es Lichtblicke.

9. Juli 2018

Die europäischen und die US-amerikanischen Märkte haben sich in den vergangenen Wochen überwiegend seitwärts entwickelt, wenngleich die Volatilität hier in Europa größer ist. Die Schwellenmärkte (und die dortigen Währungen) stehen unter Druck. Doch trotz allem gibt es Lichtblicke. Einige der negativen Faktoren dürften bereits überstanden sein. So scheint zum Beispiel die Schwäche beim Wachstum und bei den Stimmungsindikatoren in Europa wieder abzunehmen. 

Die Auftragseingänge im deutschen Fertigungssektor sind im Mai gegenüber dem Vormonat um 2,6 % gestiegen. Zuvor hatten vier monatliche Rückgänge von insgesamt mehr als 6% zu Buche gestanden. Dass die Aufträge wieder anziehen, deutet darauf hin, dass der Sektor das Schlimmste hinter sich hat und sich die Produktion in den kommenden Monaten wieder stabilisiert, bevor sie gegen Ende des Jahres zunehmen dürfte. In China hat es den Anschein, als hätten die Verantwortlichen die Schwäche, die sich nicht nur auf das globale Wachstum auswirken würde sondern insbesondere Europa stärker treffen könnte als alle anderen Regionen, gut im Griff. Ende der vergangenen Woche starteten die USA tatsächlich ihren angedrohten Handelskrieg mit China und setzten Sonderzölle auf chinesische Importe im Wert von USD 34 Mrd. in Kraft und drohten mit weiteren Zöllen, sollte China Vergeltungsmaßnahmen ergreifen. 

Anleihen: Die Politik gibt den Ton an
In den vergangenen Wochen erschienen die Fundamentaldaten für die Märkte nicht so wichtig wie die politischen Entwicklungen, der bevorstehende Handelskrieg, geopolitische Sorgen und der EU-Gipfel. 

Eine Reihe von Notenbankern zeigten sich besorgt im Hinblick auf den Wachstumsausblick, die Auswirkungen des zunehmenden Protektionismus und den Handelskrieg und ließen damit die Renditen auf amerikanische und deutsche Staatsanleihen sinken. Die Bewegung war so stark, dass die Renditen noch niedrigere Stände testen könnten, falls weiterer Gegenwind kommt. Als potenzieller Auslöser wurde der US-Beschäftigungsbericht am 6. Juli gehandelt. Eine signifikante Reaktion fiel allerdings aus, da trotz zufriedenstellender Arbeitsmarktdaten nicht davon auszugehen ist, dass die US-Fed ihren Zinserhöhungszyklus beschleunigt, da die Notenbank bereits angekündigt hat, auch eine Inflation über 2 % zu tolerieren. Der Beschäftigungsbericht wurde am selben Tag veröffentlicht, an dem in den USA auch die ersten Sonderzölle auf chinesische Importe im Wert von USD 34 Mrd. in Kraft getreten sind. 

In der Eurozone standen erneut die politischen Entwicklungen stärker im Vordergrund als die Wirtschaftsdaten. Die Lage in Italien bleibt wackelig, und es besteht die Gefahr, dass eventuelle Neuwahlen zu einer Volksabstimmung über den Verbleib des Landes in der EU werden. Nach jüngsten Umfragen würden die beiden euroskeptischen Parteien 50-60 % der Stimmen erhalten und es käme zu einer Neuauflage der Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega Nord. Deshalb rechnen wir damit, dass die Risikoprämien (Spreads) auf italienische Staatsanleihen hoch bleiben. 
Die Schwellenländer befinden sich weiterhin in einem Zustand erhöhter Unsicherheit, da sich das gesamte Ausmaß des Protektionismus schwer quantifizieren lässt. So besteht also die Gefahr, dass die Handelsspannungen zwischen den USA und China weiter eskalieren, nachdem die ersten Zölle in Kraft getreten sind. 

Aktien im Stresstest 
Die Aktienmärkte zeichneten vergangene Woche ein uneinheitliches Bild. In Europa begann die Woche mit Kursverlusten, die im Lauf der Woche aber wieder aufgeholt wurden. In den USA starteten die Märkte gut in die Woche, drehten aber gleich am Dienstag ins Minus. Am Mittwoch waren die US-Märkte aufgrund des Unabhängigkeitstags geschlossen. Die Schwellenmärkte zeigten Schwäche. 

Es droht nach wie vor Unruhe durch die Möglichkeit weiterer Zölle. China kündigte höhere Handelszölle für in den USA gefertigte Autos an, fügte am Mittwoch jedoch hinzu, man werde die Zölle nur umsetzen, wenn die USA zuerst Zölle verhängen. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte daraufhin vor einem Handelskrieg, der aus eskalierenden Zöllen entstehen könnte.

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