Wochenkommentar

Italien versetzt Märkte in Aufruhr

Die politischen Entwicklungen in Italien haben an den Märkten in der vergangenen Woche für Turbulenzen gesorgt.

4. Juni 2018

Die politischen Entwicklungen in Italien haben an den Märkten in der vergangenen Woche für Turbulenzen gesorgt. Präsident Mattarella legte gegen die Ernennung des euroskeptischen Paolo Savona zum Finanzminister sein Veto ein und löste damit Unruhe an den Märkten aus. Die Parteien präsentierten später einen anderen Kandidaten für das Amt des Finanzministers, und der Bildung einer neuen Regierung steht seither nichts im Wege. 

Italienische Staatsanleihen reagierten auf diese Entwicklungen mit heftigen Kursausschlägen, denn die Investoren befürchteten eine neuerliche Debatte über die Zukunft des Euros und potenzielle Abschreibungen bei italienischen Staatsanleihen. Die Rendite auf 10-jährige italienische Staatsanleihen stieg am Dienstag über 3 %. Die Märkte befürchteten, italienische Banken könnten kollabieren, weil sie einen Großteil der Staatsanleihen des Landes halten. Dadurch sind die Ausfallrisikoprämien bei den meisten Unternehmensanleihen gestiegen, und die Kurse gefallen. 
In der zweiten Wochenhälfte haben sich die Märkte etwas beruhigt; die Rendite auf 10-jährige italienische Staatsanleihen schwankt jetzt um die Marke von 2,6 %. Wir gehen jedoch davon aus, dass diese Segmente des Anleihemarkts volatil bleiben, bis mehr Klarheit über die politische Entwicklung in Italien herrscht. 

Inmitten dieser Turbulenzen gab es erste Anzeichen dafür, dass die Inflation in der Eurozone im Mai in Richtung 2 % gestiegen ist. Dies dürfte vor allem mit den Energiepreisen zu tun haben, aber auch mit der Kerninflation. Allerdings rechnen wir nicht damit, dass die Effekte bei der Kerninflation von Dauer sind. Vielmehr sehen wir die Kernrate in den kommenden Monaten in der Nähe des aktuellen Niveaus. Wenngleich die politischen Entwicklungen in Italien die Kursentwicklung von deutschen und niederländischen Staatsanleihen völlig überholt haben, dürfte dennoch ein Teil des jüngsten Renditeanstiegs auf diese Inflationsentwicklung zurückgehen. 

Fed nach wie vor auf Kurs 
Nach der jüngsten Unruhe an den Märkten sind die Erwartungen an Zinserhöhungen der Federal Reserve (Fed) zurückgegangen. Auf dem Höhepunkt Mitte Mai preisten die Futures eine weitere Steigerung um 53 Basispunkte (Bp) bis Ende 2018 ein; das sind etwas mehr als zwei volle weitere Zinserhöhungen. Inzwischen ist der Wert auf 40 Bp gesunken, wobei es nach den politischen Turbulenzen in Italien vergangene Woche besonders deutlich nach unten ging. 

Die Fed berücksichtigt durchaus externe Entwicklungen und in Phasen mit erhöhter Unsicherheit und Marktvolatilität hat der Offenmarktausschuss der Fed auch früher schon geplante Zinserhöhungen verschoben (zum Beispiel im Zusammenhang mit China 2015 und mit dem Brexit 2016). Obwohl wir der Meinung sind, dass die Risiken in Italien bestehen bleiben und die Schwellenmarktvolatilität für einige Länder Grund zur Sorge ist, halten wir es für wahrscheinlicher, dass die Fed über die aktuelle Volatilität hinwegsieht und ihren allmählichen Zinserhöhungskurs fortsetzt; dafür gibt es zwei Gründe: 

Erstens zeigen die Risiken für die US-Konjunktur wohl eher nach oben. Erhebliche fiskalische Anreize treffen auf ein Umfeld, in dem sich die Wirtschaft nach vielen Kennzahlen in der Nähe der Vollauslastung befindet und über ihrem Potenzial wächst. Eine Eskalation des Handelskriegs bleibt zwar ein echtes Risiko, aber bislang hatten die Zölle (oder die Androhung von Zöllen) größere Auswirkungen auf die Kosten der Einsatzgüter als auf das Geschäftsklima. 

Zweitens deuten Aussagen des Fed-Chefs Jay Powell von Anfang Mai darauf hin, dass die Fed ihre Maßnahmen nicht unbedingt von der Volatilität in Schwellenmärkten abhängig machen will. Wir werten dies als klares Zeichen dafür, dass schon Drastisches geschehen muss, damit die Fed ihren Zinserhöhungszyklus nur auf Basis von externen Entwicklungen unterbricht – immer vorausgesetzt, dass die US-Wirtschaft nicht von einem Dominoeffekt erfasst wird (Basisszenario). Darüber hinaus rechnen wir in unserem Basisszenario damit, dass die Fed bis Juni 2019 quartalsweise eine Erhöhung um 25 Basispunkte ankündigt und die Fed Funds Rate, den Leitzins, damit auf 3,00 % anhebt.


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