Wochenkommentar

Mit positiver Haltung

Die makroökonomischen Indikatoren in Europa werden schwächer, die EZB bleibt Vorsichtig und Zuversichtlich.

1. Mai 2018

Im Mittelpunkt der vergangenen Woche stand die Monatssitzung der Europäischen Zentralbank. EZB-Präsident Mario Draghi sagte im Anschluss, die Haltung der Zentralbank lasse sich trotz der schwächer werdenden makroökonomischen Indikatoren in Europa mit „Vorsicht und unveränderter Zuversicht“ beschreiben. In der jüngsten leichten Abschwächung sieht er eine „Mäßigung“ des Wachstums, das aber weiterhin auf einer breiten Basis stehe und alle Länder und Sektoren umfasse. Er fügte hinzu, die bisherigen Niveaus seien sehr hoch gewesen. Die Inflation habe sich zwar seitwärts entwickelt, es gebe aber dennoch positive Anzeichen für Lohnwachstum, was in den kommenden Monaten zu einem höheren Preisdruck beitragen könne, sagte Draghi weiter. 

Wir glauben, dass sich die EZB in „Wartestellung“ befindet und gehen weiter davon aus, dass im Juli ein klarer Fahrplan für das Ende der Anleihekäufe der Notenbank vorgelegt wird. Wir rechnen mit einer Auslaufphase von sechs Monaten und erwarten die ersten Zinserhöhungen im Euroraum erst im zweiten Halbjahr 2019; dann rechnen wir mit einer Anhebung um 10 Basispunkte im September und einem weiteren Zinsschritt im Dezember. 

US-Staatsanleihen überschreiten das 3%-Niveau 
Die US-Wirtschaft scheint zu Beginn des zweiten Quartals wieder Fahrt aufgenommen zu haben. Eine Beschleunigung beim Wachstum der Auftragseingänge signalisiert eine hohe Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Darüber hinaus gibt ein Anstieg der Faktorkosteninflation infolge der Einführung von Zöllen, die die Kosten für Rohstoffe steigen ließen, den Geldpolitikern ein restriktives Signal. Hinweise auf eine mögliche China-Reise von US-Finanzminister Mnuchin werteten die Marktteilnehmer als Zeichen dafür, dass die USA im Handelskrieg mit China eine Waffenruhe erwägen. Die Rendite auf 10-jährige US-Staatsanleihen stiegen auf bis zu 3,0296 % und durchbrachen damit nicht nur die psychologisch wichtige Marke von 3 %, sondern erreichten auch den höchsten Stand seit 2014. Da die US-Wirtschaft unter Umständen bereits in einer späten Phase des Konjunkturzyklus angekommen ist, erscheint ein starker Anstieg der Renditen unwahrscheinlich, zumindest vorerst. 

Die weltweiten Rentenmärkte korrelierten vor der EZB-Sitzung vergangene Woche positiv mit dem US-Anleihemarkt. Erwartungsgemäß hat die EZB angesichts der holprigen Renditeentwicklung im Januar und Februar versucht, die Märkte nicht zu beunruhigen. Deshalb dürfte sich bei den Staatsanleihen die Annäherung der Peripherieländer (wie Italien und Spanien) an die kernnahen Länder (wie Belgien und Irland) fortsetzen. Italien zählte in den vergangenen Wochen zu den Top-Performern, denn die Hoffnung auf eine neue Regierung steigt. Bis in Italien tatsächlich eine Einigung erzielt ist, wird noch einige Zeit vergehen, aber die Aussichten sind besser als ursprünglich befürchtet. 

Aktien: gemischtes Bild 
Die Berichtssaison kommt immer mehr in Fahrt, aber die Aktienmärkte zeigten in der vergangenen Woche ein uneinheitliches Bild. In Europa und Asien hielten sich die breiten Marktindizes im positiven Bereich. In den USA rutschten hingegen alle Indizes ins Minus. Weltweit fand eine Flucht in sichere Werte statt, die defensiven Sektoren wie Telekom und Versorgern eine Outperformance bescherten. Die zyklischen Sektoren Industrie und Grundstoffe hinkten hinterher.


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