Wochenkommentar

Neue Drohungen Richtung Welthandel

Die wachsende Wahrscheinlichkeit für einen Handelsstreit sorgt an den Märkten für Unruhe.

16. Juli 2018

Der Handelsstreit zwischen China und den USA ist weiter eskaliert. Die USA wollen eine Liste mit Importgütern aus China im Wert von USD 200 Mrd. (0,25 % des globalen BIP und 1,2 % des Welthandels) veröffentlichen, die vielleicht schon ab September mit einem Sonderzoll von 10 % belastet werden sollen. Diese Drohung wurde zwar schon vor einigen Monaten ausgesprochen, aber die wachsende Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich dazu kommen könnte, sorgt an den Märkten für Unruhe. 

Bislang beläuft sich das von Zöllen betroffene Importvolumen auf insgesamt rund USD 150 Mrd.; dabei sind die US-Sanktionen gegen die EU und andere Handelspartner (zum Beispiel auf Stahl und Aluminium) schon mit eingerechnet. Mit den zusätzlich angedrohten Zöllen und Vergeltungsmaßnahmen könnte das betroffene Handelsvolumen nahezu USD 1 Billion (rund 1,2 % des globalen BIP und 5,8 % des Welthandels) erreichen; das ist aber nicht unser Basisszenario. 

Zudem sind nicht alle Zölle gleich, und es ist wichtig, nicht nur den Wert der betroffenen Importe zu betrachten, sondern auch die Höhe der Zölle. Bei der ersten Runde von US-Zöllen und Vergeltungsmaßnahmen beliefen sich die Raten auf 20-30 %; das ist erheblich, aber noch zu verkraften. Bei den deutlich höheren Summen, die in letzter Zeit angedroht wurden, – für die Zölle auf rund USD 200-400 Mrd. an chinesischen Importgütern – ist nur von einem 10-prozentigen Zoll die Rede. So ein niedrigerer Satz könnte allein durch Wechselkursveränderungen aufgefangen werden. Der chinesische Renminbi (CNY) hat gegenüber dem US-Dollar seit dem Hoch von Ende März bereits 6,5 % abgewertet; damit wäre ein Großteil des 10-prozentigen Zolls bereits aufgefangen. Unter Berücksichtigung der Wechselkursveränderungen könnte die Kombination aus Strafzöllen und der Aufwertung des US-Dollars sogar dazu führen, dass Trump mit seiner Politik den amerikanischen Exporteuren mehr schadet als den Handelspartnern. 

Alles in allem gehen wir nach wie vor davon aus, dass sich die Auswirkungen der Handelszölle in relativen engen Grenzen halten werden. Die wahre Gefahr besteht darin, dass der Handelsstreit das Geschäftsklima verschlechtert; dadurch verschieben Unternehmen Investitionen, und es kommt zu einer Belastung des Wachstums. In Europa sehen wir erste Anzeichen für solch eine Entwicklung, ebenso in China in geringerem Ausmaß. Das Geschäftsklima in den USA scheint indes bislang unbeschadet davonzukommen; das zeigen, jenseits von Einzelberichten, die Aussagen von Fed-Vertretern und Geschäftsklimaindikatoren. Diesen Bereich sollten wir aber in den kommenden Monaten genau im Auge behalten. Sollte sich das Geschäftsklima deutlich eintrüben, wäre dies vermutlich Grund genug für die Fed, weitere Zinserhöhungen zu verschieben, und für die Geldpolitiker in Europa und andernorts, ihre expansiven Rahmenbedingungen noch etwas länger aufrechtzuerhalten. 

Anleihen: Rückversicherung durch die Fed 
Die Rentenmärkte blieben in der vergangenen Woche trotz der Spannungen im Welthandel, der Reibereien beim NATO-Gipfel in Brüssel und der anhaltenden Brexit-Unwägbarkeiten relativ optimistisch. Das Protokoll der Fed-Sitzung war ermutigend und vermittelte den Investoren den Eindruck, dass die Fed ihren allmählichen Zinserhöhungszyklus fortsetzt, während die Handelsrisiken wachsen. 

Italiens Finanzminister Giovanni Tria sagte vergangene Woche in einem Interview, die neue populistische Regierungskoalition des Landes werde an ihren beabsichtigten Steuersenkungen und an der geplanten Einheitssteuer festhalten. Die Risikoprämien italienischer Anleihen reagierten kaum. Die Renditen auf zehnjährige Bundesanleihen lagen vergangene Woche weiterhin unter 40 Basispunkten. Unternehmensanleihen erlebten hingegen eine erfreuliche Woche, denn dort führten niedrigere Risikoaufschläge zu höheren Kursen. Die Käufer von Unternehmensanleihen im Investmentgrade-Segment fordern für ihr höheres Risiko jetzt 1,2 % mehr als deutsche Staatsanleihen bieten. 

Aktien: Ruhig in rauer See 
Von politischer Seite war die vergangene Woche wieder turbulent: Der Handelskrieg lässt nicht nach, die Brexit-Unsicherheit hält an, und die NATO-Mitglieder streiten sich über die Höhe ihrer Beiträge. Doch die Märkte haben sich davon kaum beeindrucken lassen, die meisten großen Aktienmärkte konnten sogar leicht zulegen; Chinas Aktien erholten sich von den Jahrestiefständen der Vorwoche. Die Investoren richten ihren Blick auf die bevorstehende Berichtssaison und sind zuversichtlich, dass das anhaltende Wirtschaftswachstum sich im abgelaufenen Quartal in den Umsätzen und Gewinnen der Unternehmen niedergeschlagen hat.

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