Wochenkommentar

Steuerreform treibt US- Gewinne

7. Mai 2018

In der Eurozone verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal auf 0,4 % gegenüber dem vorangegangenen Quartal, während es im Schlussquartal 2017 noch bei 0,7 % lag. Damit entsprach das Wachstum der Konsensprognose und lag leicht unter unserer eigenen Prognose von 0,5 %. Einzelheiten zum Wachstum wurden noch nicht veröffentlicht, aber wir vermuten, dass die Abschwächung gegenüber dem vierten Quartal 2017 auf ein geringeres Konsum- und Exportwachstum zurückgeht, während die Anlageinvestitionen im ersten Quartal vermutlich ein wichtiger Wachstumstreiber waren. Wir rechnen damit, dass das Wachstum im zweiten Quartal wieder etwas zunimmt und das gesamte Jahr deutlich über der Trendrate bleibt. Unser Basisszenario für das Wachstum der Eurozone geht von einem günstigen Ausgang der Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA ohne ernste Folgen für die Wirtschaft der Eurozone aus. 

Die erste Schätzung der HVPI-Inflation für die Eurozone zeigt einen Rückgang von 1,3 % im März auf 1,2 % im April. Unser Basisszenario sieht vor, dass sich die Kerninflation in den kommenden Monaten in der Nähe der Marke von 0,9-1,0 % hält. Danach rechnen wir dieses Jahr mit einem leichten Anstieg, die Teuerung dürfte aber 2018 und 2019 noch deutlich unter dem von der EZB angepeilten Ziel von 2 % liegen. Der Rückgang der Kerninflation wird bei der EZB für Unsicherheit darüber sorgen, ob der für die Kerninflation prognostizierte Aufwärtstrend in absehbarer Zeit eintritt. In Verbindung mit dem unsicheren Ausblick für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bestätigt dies, dass der Ausstieg der EZB aus der ultralockeren Geldpolitik sehr langsam verlaufen wird. Es wird ein langer Abschied werden. 

Hohe Gewinne in den USA 
Die Aktienmärkte gaben in der vergangenen Woche ein uneinheitliches Bild ab. Zwar war die Gewinnentwicklung im ersten Quartal ermutigend und die geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit Zöllen und der Lage im Nahen Osten sind in den Hintergrund gerückt, doch der MSCI World Index bewegte sich dennoch lediglich seitwärts. Gleichzeitig entwickelten sich die europäischen Aktienmärkte besser als die amerikanischen, was angesichts der Berichtssaison unlogisch erscheint. 

In den USA haben bereits mehr Unternehmen Zahlen vorgelegt als in Europa. Und auch wenn die Saison noch nicht vorüber ist, stellen wir fest, dass die Gewinne sowohl in Bezug auf das Wachstum als auch in Bezug auf das Übertreffen der Erwartungen in den USA erheblich besser sind als in Europa. In den USA liegt das Gewinnwachstum im klar zweistelligen Prozentbereich, und viele Unternehmen übertreffen die Erwartungen; in Europa erreicht das Gewinnwachstum gerade einmal den niedrigen einstelligen Prozentbereich und es gibt nur wenige Unternehmen, deren Ergebnisse über den Erwartungen liegen. In unseren Augen lässt sich diese Entwicklung weitgehend dadurch erklären, dass die von Präsident Trump eingeführten Steuerreformen zu höheren Gewinnen geführt haben und die US-Wirtschaft in einem höheren Ausmaß von schnell wachsenden Technologieunternehmen geprägt ist. Unterdessen sorgte in Europa die Wechselkursentwicklung bei den Unternehmensgewinnen für Gegenwind: Der Euro wertete im vergangenen Jahr um mehr als 10 % auf. Wir rechnen damit, dass der Abstand zwischen den USA und Europa in den kommenden Quartalen kleiner wird, denn wir gehen davon aus, dass der Euro im ersten Quartal seinen Höchststand erreicht hat. 

Steigende Inflation in den USA 
Trotz eines Anstiegs der Kerninflation in den USA und obwohl die Inflation sich dem von der Fed angestrebten Ziel von 2% nähert, ließ die Notenbank ihren Kurs für die weiteren Zinserhöhungen unverändert. Die Märkte reagierten kaum – lediglich mit einem geringen Rückgang am kurzen Ende der US-Renditekurve, während die langen Laufzeiten weitgehend unverändert blieben. Kurz gesagt: Die Kurve ist zwischenzeitlich etwas steiler geworden (Die Renditekurve zeigt den Abstand zwischen kurz- und langfristigen Schuldtiteln der US-Regierung).
 

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