Wochenkommentar

Unruhige Weihnachtszeit

8. Januar 2019

Das Jahr endete mit einer überaus turbulenten Woche. Der Volatilitätsindex (VIX) stieg über 36 und erreichte damit den höchsten Stand seit Februar 2018.  

Um die Weihnachtszeit beherrschte Donald Trump erneut die Nachrichten, genauer gesagt die Sorge, der US-Präsident könnte aus Frust über die US-Notenbank Fed und ihre Zinspolitik einen persönlichen Feldzug gegen den Fed-Vorsitzenden Jay Powell führen. Dann forderte auch noch der US-Finanzminister Steven Mnu-chin die Topmanager großer Banken auf, ihre Liquidi-tätslage zu überprüfen; damit vermittelte er den Markt-teilnehmern den Eindruck, es gäbe größere Probleme als allgemein bekannt seien.

Trump und der Vorsitzende des Wirtschaftsberaterstabs des Weißen Hauses (Council of Economic Advisers) bestätigten glücklicherweise, Powells Stellung sei nicht in Gefahr, und überzeugten die Märkte davon, dass Untergangsszenarien fehl am Platz sind. Amazon gab eine Reihe von beeindruckenden Kennzahlen zum Weihnachtsgeschäft bekannt und meldete, dass „zig Millionen Menschen weltweit“ sich für den Dienst Amazon Prime angemeldet hätten. Dies wurde angesichts der allgemeinen Konsumausgaben positiv aufgenommen.

Anleihen: Ein starker Auftakt
Anleiheinvestoren können sich über einen sehr guten Jahresbeginn freuen. Insbesondere deutsche Staatsanleihen entwickelten sich gut. Die Rendite auf Bundesanleihen fiel am Mittwoch unter 16 Basispunkte. Dies war der niedrigste Stand seit April 2017 und der stärkste Renditerückgang seit den politischen Turbulenzen in Italien im vergangenen Mai.

Die Rendite auf zehnjährige japanische Staatsanleihen fiel in den negativen Bereich, und US-Staatsanleihen (Treasuries) werden unter 2,7 % gehandelt. Diese Be-wegungen wurden in den vergangenen Monaten oft als Flucht in sichere Werte interpretiert, ausgelöst durch eine wachsende Risikoscheu. Begleitet wurden sie durch einen Anstieg der Risikoprämien für Anleihen von Emittenten mit geringerer Bonität und durch fallende Aktienmärkte. Dieses Mal scheint die Situation aber etwas anders zu sein. Die Aktienmärkte begannen das neue Jahr relativ ruhig, und die Renditeaufschläge von europäischen Unternehmensanleihen und von Peripherieländeranleihen stiegen nur geringfügig. Das heißt, hinter der anfänglichen Stärke von Bundesanleihen zu Jahresbeginn dürfte mehr stecken als nur Risikoscheu.

Lynn